Navigation bei RadtourenSmartphone oder GPS-Gerät?

Matthias Schwindt

 · 27.12.2022

Navigation bei Radtouren: Smartphone oder GPS-Gerät?Foto: Jan Greune

Touren-Suche, Streckenplanung, Navigation – immer mehr Radfahrer setzen aufs Smartphone als Alternative zum GPS-Gerät. Geht die Rechnung wirklich auf?

“Es gibt für alles eine App.“ Trifft dieser Werbespruch zu, sollte es auch kein Problem sein, mit dem Smartphone auf Tour zu gehen. Schließlich besitzen 80 Prozent der Deutschen ein Smartphone, in der Zielgruppe der Radfahrer und Radfahrerinnen fast alle. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn nur das vorhandene Handy mit einer passenden Outdoor-App auszustatten reicht noch nicht für einen erfolgreichen Fahrrad-Ausflug.

Fahrradhalterung für das Smartphone

Um der Strecke zu folgen, muss das Display auch gut ablesbar im Blickfeld des Radlers liegen. Außerdem muss in jedem Fall verhindert werden, dass sich das teure Telefon löst und auf den Radweg stürzt. Wir haben unterschiedliche Modelle getestet: Passgenaue Hüllen mit Lenkerbefestigung und Universalhalterungen.

Stromversorgung

Auf ausgedehnten Touren verdient die Stromversorgung besondere Beachtung. Durch das eingeschaltete Display mit aktiver Hintergrundbeleuchtung schnellt der Stromverbrauch beim Smartphone im Vergleich zum GPS-Gerät rapide in die Höhe. Ein leerer Akku nach zwei bis drei Stunden ist keine Ausnahme. Was liegt näher, als per Powerbank oder aus dem großen E-Bike-Akku während der Fahrt nachzuladen? Aber Vorsicht: Das dauernde Gewackel ist nicht gut für die kleinen USB-Steckverbindungen. Dafür sind diese Stecker nicht ausgelegt, langfristig können dadurch Schäden auftreten. Bei modernen Telefonen bietet die drahtlose Qi-Ladetechnik eine praktische Alternative. Wir zeigen zwei Stromversorger ohne Kabelanschluss.

Fertige Tour oder eigene Planung?

Sind die technischen Vorbereitungen abgeschlossen, bleibt die Frage: Welche Tour soll ich fahren? Apps und Touren-Portale versprechen die passende Tour für jeden Geschmack. Wir haben vier Apps genauer angeschaut. In der Praxis wurden Auswahl und Qualität der Touren-Vorschläge geprüft. Während der Navigation spielte der Komfort der Zielführung eine große Rolle, ebenso wie der Funktionsumfang auf abgelegenen Strecken ohne mobilen Internetempfang. Dabei bleibt festzuhalten: Es gibt nicht die eine App für alles. Aber das ist der Vorteil des Smartphones. Jede App spielt ihre Stärken aus, und es lassen sich problemlos mehrere Apps nebeneinander nutzen.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er das sündhaft teure Smartphone auch für den Outdoor-Einsatz am Lenker einsetzen will.

  Längere Akku-Laufzeit und robustere Bauweise sind Vorteile des klassischen Fahrrad-Navis. Foto: Garmin Deutschland
Längere Akku-Laufzeit und robustere Bauweise sind Vorteile des klassischen Fahrrad-Navis.

Oder doch lieber das GPS-Gerät?

Spricht in Zeiten von wasserdichten Smartphones und einer Fülle an ausgereiften Apps überhaupt noch etwas für ein teures, eigenständiges GPS-Gerät?

Pro Smartphone

Der größte Posten bei der Anschaffung ist schon erledigt – das Smartphone selbst. Die Bedienung ist eingängiger, da sich die App-Entwickler an den Prinzipien der Handy-Bedienung orientieren. Das Display ist sehr groß und im schattigen Bereich ordentlich ablesbar. Größte Stärke ist die riesige Auswahl an Apps. Jeder findet seinen Favoriten. Auch können mehrere Spezial-Apps im Wechsel genutzt werden. Eine, um Touren zu finden, eine für die Zielführung und eine als Tour- oder Trainings-Tagebuch.

Pro GPS-Gerät

Das GPS-Gerät mit Navigation ist deutlich robuster gebaut. Auch im Inneren sind alle Komponenten auf Outdoor-Nutzung ausgelegt. Bei der Akku-Laufzeit muss man sich keine Gedanken machen. Meist sind sogar zwei Bike-Tage drin. Das Display ist in der prallen Sonne deutlich besser ablesbar, auch wenn es kleiner ist. Das GPS-Gerät funktioniert immer – auch ohne Internet im Funkloch. Im Kaufpreis ist alles enthalten: Halterung, Software ohne laufende Abo-Kosten und Karten inkl. kostenloser Updates.