Per Smartphone gesteuertBoschs Smartes System

Uli Frieß

 · 21.02.2022

Per Smartphone gesteuert: Boschs Smartes SystemFoto: Daniel Simon

Boschs neues System erlaubt erstmals die persönliche Anpassung der Motorcharakteristik. Zudem verbindet die nötige App das Rad mit verschiedenen Internet-Services.

Bike-Hardware Voraussetzung für Boschs Smartes System

Boschs „Smartes System“ schließt das E-Bike ans Internet an. Bedingung dafür ist – neben der Smartphone-App „eBike Flow“ – eine Bike-Hardware der aktuellen Generation: Über die Bedieneinheit LED Remote und das neue Kiox-300-Display lässt sich nach erfolgreicher Koppelung mit dem Handy der Performance-CX-Motor auf die persönlichen Bedürfnisse einstellen. Zudem hält die App per Bluetooth-Verbindung mit der LED Remote das komplette System via Internet-Update auf dem aktuellen Stand. Auch neue Komfort- oder Fitnessfunktionen können so hinzugefügt werden. Unter anderem lassen sich Fahrten mit der Flow-App automatisch aufzeichnen und auswerten, das integrierte Activity Tracking synchronisiert auf Wunsch Daten mit Apple Health.

Die vielleicht bemerkenswerteste Möglichkeit der App ist der Zugriff auf die Leistungsentfaltung. Ähnlich wie Shimano-Fahrer mit dem E-Tube Project können Bosch-Performance-CX-Fahrer mit der Flow-App nun auf die Kennlinien der Motorsteuerung zugreifen. In den Unterstützungsstufen Eco, Sport und Turbo lassen sich jeweils die Parameter Unterstützung, Dynamik, unterstützte Höchstgeschwindigkeit und Drehmoment in Grenzen den persönlichen Vorlieben anpassen. Wer sich beispielsweise beim Ampelstart mehr Drehmoment wünscht oder auf losem Untergrund weniger durchrutschen möchte, könnte daran Interesse haben. Die unterstützte Höchstgeschwindigkeit endet unverrückbar bei 25 Stundenkilometern. Sie lässt sich herabsetzen, aber nicht steigern.

Wir haben ausprobiert, wie stark sich die Motorcharakteristik über die App verändert. Dazu haben wir die möglichen Einstellungen der Unterstützung (in Watt) auf unserem Rollenprüfstand gemessen: Die Auswertung zeigt deutliche Eingriffsmöglichkeiten vor allem im Sport-Modus. Hier lässt sich eine Maximalunterstützung zwischen 130 und 370 Watt einstellen.

Die Dynamik, also das Beschleunigungsvermögen des Motors, sowie das Drehmoment lassen sich auf unserem Prüfstand nicht seriös testen. Beide Größen haben wir deshalb nur aufgrund von Fahrtests bewertet. Im Turbo-Modus konnten wir nur wenig Einfluss zwischen maximaler und minimaler Dynamik-Einstellung (+5 bzw. –5) spüren. Sie ließ sich gefühlt im Sport-Modus am stärksten beeinflussen. Veränderungen des Drehmoments zeigen sich am deutlichsten beim Anfahren. Merklich weniger Motorkraft war für uns erst spürbar, nachdem wir das maximale Drehmoment stark reduziert hatten. Im Sportmodus hatten Änderungen den stärksten Effekt.

Der Rollenprüfstandtest

Mit Boschs neuer Smartphone-App eBike Flow kann man die Motorcharakteristik des Bosch Performance Line CX in Grenzen verändern. Voraussetzung ist, dass der Antrieb mit der neuen LED Remote bedient wird. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen App und Antrieb. Veränderbar sind die Größen Unterstützung, Dynamik, Höchstgeschwindigkeit und Drehmoment. Wir haben die Leistungsunterschiede des Motors durch Verändern des Parameters Unterstützung bei 20 km/h, mit einer Kadenz von 70 Pedalumdrehungen pro Minute und 120 Watt Tretleistung auf unserem Rollenprüfstand gemessen. Mit der App kann man die Leistung per Schieberegler zwischen –5 und +5 Skaleneinheiten anpassen. Im Turbo-Modus leistet der Motor bei mittlerer Einstellung (0 auf der Skala) dasselbe wie in der maximalen Einstellung +5, nämlich knapp über 400 Watt. Mit dem Skalenwert –5 drosselt man den Antrieb in „Turbo“ bis auf etwa 230 Watt. Der Verstellbereich innerhalb des Turbo-Modus beträgt somit etwa 180 Watt. Im Sport-Modus wird mit einer Spanne von 240 Watt die größte Differenz zwischen Minimal- und Maximal-Einstellung erreicht, im Eco-Modus beträgt sie noch 100 Watt. Damit lässt sich die Leistungsabgabe bis auf etwa 40 Watt herunterregeln.

MYBIKE-Testfahrer Mike Schinke hat die App eBike Flow ausprobiert: Boschs smartes System im Praxistest

Im Turbo-Modus sind Leistungsunterschiede zwischen den Minimal- und Maximal-Einstellungen –5 und +5 für mich kaum spürbar. Im Sport-Modus ist der Unterschied deutlicher. Wählt man dort als Maximalwert für die Leistung +5, fühlt es sich an, als würde man im Turbo-Modus fahren. In der Minimum-Einstellung (–5) gibt sich der Motor spürbar schwächer. Ähnlich empfinde ich die Wirkung der Dynamik-Einstellung. Während im Turbo-Modus kaum ein Unterschied zwischen minimalem und maximalem Wert wahrnehmbar ist, reagiert der Antrieb im Sport-Modus deutlicher. Beispielsweise geht der Motor beim Beschleunigen aus langsam angefahrenen Kurven heraus in Einstellung –5 merklich weniger kraftvoll ans Werk. Änderungen des Drehmoments sind nur dann eindeutig zu spüren, wenn man den Wert drastisch verringert. Erst nachdem ich das maximale Drehmoment von 85 auf 50 Nm reduziert hatte, musste ich beim Anfahren gefühlt mehr Beinkraft einsetzen. Auch hier ist der Effekt im Sport- und Eco-Modus deutlich stärker zu spüren als im Turbo-Modus. Insgesamt wirken sich die möglichen Einstellungen der Motorleistung, der Dynamik und des Drehmoments geringer aus, als ich erwartet hatte.