Test 2017: Falt-Pedelecs mit E-Motor

Klein und alltagstauglich: 5 Falt-Pedelecs im Vergleich

Das Faltrad für die Jackentasche gibt’s noch nicht – aber als praktische ­Begleiter auf Reisen und im Alltag zeigen die faltbaren Pedelecs viele ­Talente. Fünf mobile Minis im Test.

Uli Frieß am 31.07.2017
Test 2017: Falt-Pedelecs mit E-Motor
Jan Greune

Test 2017: Falt-Pedelecs mit E-Motor

Klein verpackt, praktisch und bei Bedarf immer und überall dabei – das Faltrad ist der "Knirps" auf zwei Rädern. Und auch wenn die kompakten Minis sich noch nicht auf Knopfdruck entfalten, empfehlen sie sich als ideale Begleiter für kurze Strecken oder als Ergänzung im ­öffentlichen Nahverkehr. Sie sind Trumpf, wenn Stauraum knapp ist, etwa im Auto, auf dem Segelboot, imWohnmobil – oder auch in der Stadtwohnung.

Doch wie praktisch sind die E-Falter wirklich? Abgesehen davon, dass sich die Räder zu mehr oder weniger handlichen Paketen falten lassen, offenbart unser Test deutliche Unterschiede bei Ausrüstung und Alltagstauglichkeit. Im Wortsinn spürbar wird das beim Gewicht, denn die ­gefalteten Pakete wollen getragen werden. Ein mehr als 20 Kilogramm schweres Faltrad in die Straßenbahn oder den Autokofferraum zu wuchten, ­erfordert einige Anstrengung. Nur zwei der Testräder wiegen weniger als 20, das schwerste wiegt gar mehr als 25 Kilogramm – und damit etwa so viel wie ein ausgewachsenes Tourenpedelec.


Diese Falt-Pedelcs haben wir getestet:

  • BBF Monaco
  • Falter E 5.1
  • Flyer Pluto 3.01
  • QWIC Compact FN7
  • Tern Vektron (E-BIKE Testsieger)

Fotostrecke: Test 2017: Falt-Pedelecs mit E-Motor


Schwer ist leicht was

Klar, Akku und Motor wiegen schwer; allerdings ließe sich am Antrieb durchaus Gewicht sparen: Falträder tun in erster Linie auf der Kurzstrecke Dienst, wofür sie eigentlich keinen großen und schweren Akku benötigen. Auch beim Motor stellt sich die Systemfrage im Hinblick auf den Einsatzzweck: Nabenmotoren sind zwar nicht so intuitiv zu fahren und so sensibel geregelt wie Mittelmotoren, aber leichter. Das Testfeld liefert allerdings auch gleich die Gegenprobe: Das Qwic ist trotz Vorderradnabenmotor das schwerste im Vergleich, aber das liegt vor allem am schweren Rahmen und der Federgabel.

Das zeigt schon, wie neben dem Antrieb auch die übrige Ausrüstung aufs Gewicht schlägt. Vom potenziellen Faltradkäufer verlangt das grundsätzliche Entscheidungen. Hydraulische Felgenbremsen wie Maguras HS11 oder Scheibenbremsen sind schwerer als V-Brakes, bremsen aber besser und dauerhaft sicherer. Andererseits sind V-Brakes an leichten Pedelecs akzeptabel, solange sie gut gewartet und exakt eingestellt sind. Den besten Kompromiss aus ­Sicherheit, Wartungsfreiheit und niedrigem Gewicht schafft in diesem Test das Falter E 5.1; mit hydraulischer Felgenbremse, Getriebenabe, Gepäckträger und Schutzblechen bleibt es unter 18 Kilo. Noch leichter ist nur das BBF Monaco, dafür muss man aber auf Schutzbleche, Gepäckträger und Lichtanlage verzichten. Die beste Ausrüstung bietet das Tern Vektron mit dem Bosch-Active-Motor und Deore-Scheibenbremsen von Shimano.

Test 2017: Falt-Pedelecs mit E-Motor

Sicher verriegelt

Erfreulich ist, dass alle Faltpedelecs sehr verwindungssteif und fahrstabil konstruiert sind. Sichere und ausreichend dimensionierte Faltscharniere fixieren die Rahmen kraftschlüssig und stabil. Sämtliche Scharniere sind mit Sicherungen gegen unbeabsichtigtes Öffnen versehen, fast alle rasten automatisch ein. Der Faltmechanismus funktioniert bei allen Pedelecs grundsätzlich gleich. Ein Scharnier in der Mitte des zentralen Rahmenrohrs teilt den Rahmen in zwei etwa gleich große Hälften, sodass Vorder- und Hinterrad nebeneinander liegen. Mit einem zweiten Scharnier wird der Lenkermast nach unten geklappt. Mit etwas Übung dauert das weniger als eine Minute.

Da die Räder nur in einer Rahmengröße angeboten werden, sollten Sattelstütze und Lenkermast bzw. Vorbau in einem möglichst weiten Bereich einstellbar sein. Am Falter lässt sich die Lenkerhöhe aber gar nicht verstellen, das Tern bietet nur wenig Einstellweg für den Lenker.

Die Fahreigenschaften der Pedelecs überzeugen. Der Fahrkomfort ist systembedingt nicht üppig; das ließe sich nur mit hohem konstruktivem Aufwand ändern, würde die ­Räder aber deutlich teurer (und schwerer) machen.

Wer sich für ein Faltpedelec entscheidet, sollte sich, trotz aller Vielseitigkeit der Räder, über den Einsatzzweck im Klaren sein. Wer häufig fahren und falten (und tragen) will, wird ein leichtes Rad bevorzugen. Wer es nur gelegentlich gefaltet transportiert, kann andere Schwerpunkte setzen. Probefahren, -falten und -tragen ist deshalb vor dem Kauf unbedingt zu empfehlen.


Der komplette Artikel stand in E-BIKE Ausgabe 3/2017. Sie können die Ausgabe in der MYBIKE-App (iTunes  und Google Play) laden oder im DK-Shop  bestellen. 


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Uli Frieß am 31.07.2017