48 Prozent mehr Pedelec-Unfälle 48 Prozent mehr Pedelec-Unfälle 48 Prozent mehr Pedelec-Unfälle

ADFC: Radfahren darf kein Risikosport sein!

48 Prozent mehr Pedelec-Unfälle

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Insgesamt gingen die Verkehrsunfälle von März bis Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar zurück – die Zahl der Pedelec-Unfälle stieg jedoch an.

Die Sicherheit für Radfahrende hat sich laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2020 weiter verschlechtert. Besonders drastisch stieg die Zahl der Pedelec-Unfälle an. Der ADFC warnt seit Langem vor wachsenden Unfallrisiken durch veraltete Fahrradinfrastruktur. Er fordert die Kommunen dazu auf, die Radwegenetze schnell dem gestiegenen Bedarf entsprechend auszubauen.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork appelliert: „Die seit der Corona-Krise neu entfachte Begeisterung für das Rad- und Pedelecfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden. Radfahren darf kein Risikosport sein – es muss komfortabel und sicher für Menschen aller Altersgruppen und Fitnesslevel werden. Der Ausbau der Radinfrastruktur geht quälend langsam voran, weil Politik meist insgeheim weiter am Ideal der auto-optimierten Stadt festhält. Radfahren ist gesund und soll es auch bleiben! Die Fahrradnation-in-spe kann nicht zehn Jahre auf zeitgemäße Radwegenetze warten – wir brauchen den schnellen Infrastrukturausbau jetzt!“

48 Prozent mehr Pedelec-Unfälle

Laut Destatis ist die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern ohne elektrische Unterstützung im ersten Halbjahr geringfügig von 34.858 auf 33.343 gesunken, die Zahl der Pedelec-Unfälle aber hat sich drastisch erhöht: von 4.252 im ersten Halbjahr 2019 auf 6.227 in 2020, das macht eine Zunahme von 48 Prozent. Während bei allen anderen Verkehrsarten die Anzahl der Getöteten sank, kamen 2020 fast sieben Prozent mehr Pedelecfahrerinnen und -fahrer ums Leben als zuvor. Bei den Schwerverletzten nahm die Zahl sogar um 50 Prozent zu.

Viele Neuaufsteiger auf dem Pedelec/ E-Bike

Nach Einschätzung des ADFC ist die Zunahme der Pedelec-Unfälle auch im Zusammenhang mit den stark angestiegenen Verkaufszahlen seit der Corona-Krise zu sehen. Laut Zweirad-Industrieverband ist der Verkauf sogenannter E-Bikes im ersten Halbjahr um 16 Prozent gestiegen. Stork: „Es reicht aber nicht, Pedelec-Fahrtrainings anzubieten – der wichtigste Hebel ist die Infrastruktur. Für die verkehrsüberlasteten Städte ist es ein Segen, wenn viele Menschen das Rad- und Pedelecfahren für sich neu entdecken. Alles, was sie jetzt brauchen, ist gute Infrastruktur.“

Hauptunfallgegner: Auto

Etwa zwei Drittel aller Fahrrad- und Pedelecunfälle sind Kollisionen mit Autos. Hauptschuld trägt in den allermeisten Fällen (75 Prozent) der Autofahrer beziehungsweise die Autofahrerin. Bei knapp 20 Prozent der polizeilich erfassten Unfälle ist kein Unfallgegner im Spiel. Bei diesen sogenannten Alleinunfällen kommen Radfahrende beispielsweise durch mangelhafte Infrastruktur zu Fall – also durch Schlaglöcher, Baumwurzelaufbrüche, Abbruchkanten oder Hindernisse auf dem Radweg.

Kay Tkatzik Pressedienst Fahrrad (www.pd-f.de) Etwa zwei Drittel aller Fahrrad- und Pedelecunfälle sind Kollisionen mit Autos. Hauptschuld trägt in den allermeisten Fällen der Autofahrer.

Insgesamt weniger Unfälle

Seit März beeinflusst die Corona Pandemie das Leben in Deutschland. Lockdown, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen haben die Mobilität verändert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, hat sich das auch auf das Verkehrsunfallgeschehen ausgewirkt. Insgesamt nahm die Polizei von März bis Ende Juni 2020 rund 670 000 Unfälle auf. Das waren 26 % weniger als von März bis Juni 2019. Bei knapp 81 000 Unfällen gab es Tote oder Verletzte, bei rund 589 000 Unfällen blieb es bei Sachschaden. Damit ist die Zahl der Unfälle mit Sachschaden stärker gesunken (-26,6 %) als die Zahl der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen (-21,4 %).

Das Statistische Bundesamt hat auf seiner Website einen Kalender der Verkehrunfälle pro Tag, der zeigt, an welchen Tag die meisten Unfälle passieren - im Vergleich zu den Vorjahren. Dabei ist deutlich zu sehen, dass die Fahrrad-Saison länger geworden ist. Zudem gibt es an Wochentagen mehr Fahrradunfälle als am Wochenende. Da seit der Jahrtausendwende immer mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Ausbildung und zur Arbeit nutzen, hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahren weiter verstärkt. Am Wochenende ist Radverkehr dagegen überwiegend Freizeitaktivität. Mit dem bundesweiten Lockdown Mitte März 2020 ist auch die Zahl der Fahrradunfälle gesunken. Auffällig ist auch, dass es im April und Mai mehr Fahrradunfälle gab als im April und Mai 2019.

Themen: E-BikePedelecRadverkehrStadtverkehrUnfallstatistikUnfallzahlenVerkehrssicherheit


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