Kino-Tipp

Besser Welt als Nie

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43.600 Kilometer, 41 Länder, 761 Tage – einmal mit dem Fahrrad um die Welt. Ein Film über Freiheit, Begegnungen und die Sprache des Lächelns.

Mit der Frage "was einen glücklich macht" – aber ohne Erfahrung im Radreisen – ist der 24-jährige Dennis Kailing aus Gelnhausen (Hessen) ins kalte Wasser gesprungen und einfach losgefahren – immer Richtung Osten. Zwar alleine unterwegs, wirklich alleine hat er sich aber nur selten gefühlt. Viele Begegnungen mit interessanten, verrückten oder auch "ganz normalen" Menschen haben ihm Einblicke gewährt, die einem gewöhnlichen Touristen vorenthalten bleiben.

Neben atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und einer gewissen Portion Witz und Ironie, zeigt "Besser Welt als Nie" aber auch die unangenehmen Seiten einer langen Radreise: Nicht enden wollender Regen in den Anden Südamerikas, Krankheit zwischen goldenen Pagoden in Myanmar und Einsamkeit in den unendlichen Weiten des australischen Outbacks.
Nach 43.600 Kilometern in 41 Ländern auf sechs Kontinenten und der Umrundung unseres Planeten, kehrt Dennis aus dem Westen kommend an den Ort zurück, von wo aus er gut zwei Jahre zuvor gestartet ist.
Am Ende ist er seiner Frage "was einen glücklich macht" auch ein Stückchen näher gekommen.

Nepal Himalaya

Statistiken zur Reise

Besuchte Länder

41

Tage

761

Fahrtage (> 30km)

477

Ø km pro (Fahr-)Tag

89,9 km

Ø Geschwindigkeit

18,52 km/h

Gesamtstrecke

43.578 km

Höhenmeter gesamt

294.895 m

Fahrtzeit gesamt

2.352:51 h

Höchstgeschwindigkeit 

78,63 km/h (Ecuador) 

Längste Tagesetappe 

231,02 km / 10:42 h (Thailand)

Meiste Tages-Höhenmeter

2.537 m (Panama)

Höchster Punkt

4.530 m ü. NHN (Peru)

Flachste Tagesetappe in m

2 m auf 117,83 km (0,0017%) (Argentinien)

Steilste Tagesetappe

1514 m auf 44,13 km (3,43%) (Timor-Leste)

Schnellste Tagesetappe

86,59 km in 3:11 h (27,2 km/h) (Mexiko)

Langsamste Tagesetappe

50,43 km in 5:26 h (9,28 km/h) (Timor-Leste)

Meiste Tage in einem Land

111 (USA)

Meiste km in einem Land

5229 km (Australien)

Platte Reifen

63

Der Film läuft das ganze Jahr über in ausgewählten Programmkinos. Ob und wann auch in eurer Nähe, erfahrt ihr hier . Außerdem gibt es Sondervorführungen , inklusive Filmgespräch mit Dennis Kailing.

Interview mit Dennis Kailing


Woher kam die Idee zu der Reise und warum mit dem Fahrrad?
Es war so ein inneres Brennen, das sagte, dass ich raus muss. Raus in die große weite Welt, was erleben, neue Dinge sehen, Menschen kennenlernen – sich auf ein Abenteuer einlassen. Ich denke, jeder Reisebegeisterte kann das nachvollziehen. Dieses Gefühl war einfach da und die Sehnsucht groß.
Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel war anfangs eher eine finanzielle Frage. Von einer großen Reise hatte ich schon lange geträumt, aber dachte immer, es sei zu teuer. Bis ich irgendwann vom Radreisen gehört habe und auch, wie günstig es sein kann. Alle anderen Vorteile bzw. die Schönheit des Radreisens, lernte ich erst während der Reise kennen.


War der Film von Anfang an geplant?
Geplant kann man nicht sagen. Ich würde es eher als Idee bezeichnen, schließlich hatte ich keine Erfahrung als Kameramann, Regisseur oder Produzent. Eigentlich habe ich einen Abschluss als Bauingenieur. Aber Film, Fotografie, Bildbearbeitungen, etc. haben mir als Hobby schon immer Spaß gemacht, also habe ich einfach gefilmt und geschaut, was sich so entwickelt. Alles war learning by doing, aber nach und nach habe ich verstanden, was funktioniert und was nicht.

Timor-Leste-Brücke: Über Fluss mit Krokdilen


Welche Ausrüstung hatten Sie dabei?
Ich hatte eine Spiegelreflexkamera, eine Drohne und eine Actionkamera. Nicht zu vergessen mein kleines Stativ, das oft den fehlenden Kameramann ersetzte.


Wie haben Sie ihre Daten gesichert?
Ich hatte eine Festplatte dabei und habe zur Sicherheit alle drei bis vier Monate die Videos und Bilder auf USB-Sticks nach Hause geschickt. Tatsächlich hat die Festplatte aber die zwei Jahre in den Fahrradtaschen überlebt. Am Ende waren es 73 Stunden Videomaterial.


Was war Ihnen beim Filmen besonders wichtig?
Ich wollte viele Leute zu Wort kommen lassen und die Begegnungen mit anderen Menschen einfangen. Natürlich bin ich auch zu sehen und irgendwie geht es ja auch um mich bzw. meine Reise. Aber die Menschen, die ich auf der Tour getroffen habe, haben die Reise so besonders für mich gemacht, deswegen spielen sie einen wichtigen Part im Film.


Wie haben Sie den Film finanziert?
Als ich zu Hause ankam, dachte ich: Einen Film zu machen, das geht schon irgendwie. Bis man mir aufzeigte, wie teuer es wird, wenn der Film professionell werden soll. Also habe ich Fördermittel bei der hessischen Filmförderung beantragt. Dass diese bewilligt wurden, war eine Überraschung, schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt als Filmemacher nichts vorzuweisen. Aber mit der Förderung konnte ich dann einen individuellen Soundtrack erstellen lassen, Kartenanimationen, ein professionelles Color Grading und eine 5.1-Kinomischung bezahlen. Aber da der Weg ins Kino aus finanzieller Sicht nach der Postproduktion lange nicht zu Ende ist, habe ich später noch ein Crowdfunding gestartet, das mir auch bei den Kosten für den Buchdruck helfen konnte.

Mexiko platter Reifen


Welche Erkenntnisse haben Sie durch Ihre Reise gewonnen?
Erstens: Die Welt ist ein wunderschöner Ort und der Mensch prinzipiell gut. Durch die Mainstream-Nachrichten wird uns ein völlig verzerrtes Bild dargestellt, aber wenn man zwei Jahre in der Welt unterwegs ist und so viel Schönes erlebt, dann merkt man schon, dass die Relationen in den Medien einfach nicht stimmen. Zweitens: Es geht immer weiter. Ich bin immer wieder in schwierige Situationen geraten, hatte keinen Platz zum Schlafen, das Fahrrad machte Probleme, ein Visum wurde verweigert, etc. Aber immer wieder konnte ich eine Lösung finden – egal wie knifflig die Situation war. Irgendwann wurde mir bewusst, dass das wohl immer funktionieren wird, auch wenn es manchmal etwas schwieriger ist. Und diese Erkenntnis versuche ich jeden Tag mitzunehmen.

Buch Besser Welt als nie

Dennis Kailing hat auch ein Buch zu seinem Film geschrieben. Informationen darüber gibt es hier .

Schlagwörter: Filmtipp Kinotipp Radreise Travelling by bike Weltreise


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