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Stationärer Handel nur in drei Bundesländern erlaubt

Fahrradkauf in Corona-Zeiten

  • MYBIKE Online

Wer sich ein Fahrrad kaufen möchte, macht dies meistens im Frühjahr. Doch wie kann das gelingen, wenn die meisten Fahrradläden aufgrund der Corona-Krise geschlossen haben?

Fahrradhändler und -hersteller sind nicht untätig und bieten Lösungen an, damit die Kunden zu ihrem Wunschrad kommen. Die meistgestellte Frage, die Fahrradverkäufer derzeit zu hören bekommen: „Haben Sie überhaupt offen?“ Die rechtliche Antwort lautet: Fahrradwerkstätten dürfen deutschlandweit öffnen. Der stationäre Fahrradverkauf ist aktuell nur in drei Bundesländern (Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) erlaubt. Dennoch besteht die Möglichkeit, jetzt ein neues Fahrrad zu kaufen. „Wer ein neues Rad haben will, kriegt das auch“, bestätigt Heiko Müller, Geschäftsführer beim E‑Bike-Anbieter Riese & Müller.

Fahrradläden haben derzeit nur in drei Bundesländern geöffnet - Fahrradwerkstätten hingegen bundesweit.

Online-Kauf birgt Risiken

Neben Online-Versendern und -Shops, konzentrieren sich auch manche Großfilialisten bei geschlossenem Ladengeschäft vermehrt auf den Online-Handel. Die Beratung erfolgt per Chat oder Telefon. Hat man sich für ein Fahrrad entschieden, kann man es sich direkt nach Hause liefern lassen. Allerdings muss man dabei teilweise mit längeren Wartezeiten rechnen, da die Logistiker viel zu tun haben. Hinzukommt, dass das Rad noch endmontiert werden muss.

Ulf-Christian Blume von der Beratungsagentur LBU schränkt deshalb ein, dass nicht alle Radfahrer von einem Online-Kauf profitieren: „Kunden, die nicht genau wissen, welches Rad sie wollen und brauchen, würde ich weiterhin einen Kauf beim stationären Händler empfehlen.“ Dort hätten sie die Möglichkeit der Probefahrt, die ausschlagend sein kann. Aus seiner Sicht werde der stationäre Fachhändler doppelt bestraft. „Viele haben keinen Online-Shop und sind auf die Verkäufe im Laden angewiesen. Während sie eingeschränkt sind, darf der Online-Händler ohne Beschränkung verkaufen und die Kunden gewöhnen sich verstärkt an das Online-Shopping. Aus meiner Sicht ist das eine Wettbewerbsverzerrung“, fasst Blume zusammen. Der Jurist und Branchenexperte weist deshalb daraufhin, dass für den stationären Handel momentan jeder Umsatz zu begrüßen ist, egal ob on- oder offline. Viele Fachhändler greifen deshalb zu kreativen Lösungen, um weiterhin Fahrräder zu verkaufen.

Das Probefahren des neuen Bikes vor dem Kauf ist unerlässlich. Verschiedene Händler liefern deshalb auch Testräder nach Hause.

Fachhandel berät telefonisch

Ein Beispiel ist Thorsten Larschow. In seinem Fahrradladen Rad und Tour in Cuxhaven würden jetzt eigentlich die ersten Nordsee-Urlauber nach Leihrädern fragen. Doch in Corona-Zeiten müssen andere Lösungen her. Fahrradteile können beispielsweise im Shop bestellt werden, die Auslieferung erfolgt per Lastenrad. Aber auch Fahrradverkäufe sind möglich, wie Larschow beschreibt: „Wir beraten per Telefon oder Chat. Das Rad wird bei uns aufgebaut und dann direkt an den Kunden geliefert, der die Möglichkeit hat, eine Probefahrt rund um sein Haus zu machen.“ Beratung und Übergabe erfolgen dabei kontaktlos. „Wir gehen jetzt neue Maßnahmen an und unsere Kunden zeigen sich dabei äußerst kooperativ“, beurteilt der Fachhändler die aktuelle Lage.

Zwar nicht vor Ort, jedoch per Telefon ist die Beratung beim Fachhändler des Vertrauens jederzeit möglich.

Händler kommt zum Kunden

Markus Boscher vom Radladen Velorado in Nürnberg freut sich momentan auch über eine hohe Solidarität aus der Nachbarschaft: „Die Leute bringen ihre alten Räder vorbei, um die Werkstatt und somit unser ganzes Geschäft zu unterstützen.“ Da der E‑Bike-Händler keinen eigenen Webshop hat, braucht er jetzt andere Lösungen, um seine Räder zu verkaufen. Die intensive Beratung erfolge ausschließlich per Telefon. Im Gespräch wird der Kreis an passenden E‑Bikes eingeengt und dem Kunden eine kleine Anzahl an Rädern für eine Probefahrt angeliefert. „Das ist für den Kunden noch komfortabler als ein Besuch im Shop. Nur für den Kaffee muss er selbst sorgen“, witzelt Boscher, ergänzt aber gleich: „Für uns ist das ein deutlicher Mehraufwand. Aber das ist die einzige Chance, momentan überhaupt Räder zu verkaufen.“

Unterstützung durch Hersteller

Auch so mancher Hersteller unterstützt die Händler mit kreativen Ideen. So bietet beispielsweise Riese & Müller eine telefonische Beratung sowie einen Facebook-Chat für Kaufinteressierte an. Zudem besteht die Möglichkeit, dort das Wunschrad zu bestellen. Endmontage und Übergabe laufen weiterhin über den Fachhändler. „Wir unterstützen damit unsere Handelspartner“, erklärt Heiko Müller. Fachhändler sollten jetzt nicht schließen müssen, weil sie keinen Umsatz mehr machen, sondern sie sollen sich aktiv für den Radverkehr stark machen. „Wir brauchen jetzt jeden Marktteilnehmer, um das Thema Radfahren in der Gesellschaft weiter voranzubringen. Jeder Händler, der schließt, ist einer zu viel“, macht Müller deutlich.

Die Radhersteller unterstützen die Händler mit kreativen Ideen, wie Riese & Müller mit einem Facebook-Chat für Kaufinteressenten.

E‑Bikes verkaufen sich das ganze Jahr

Für Volker Dohrmann, Leiter Produkt, Strategie und Marketing beim Hamburger Fahrradhersteller Stevens, ergibt sich eine andere Aussicht: „Das Fahrradgeschäft ist nicht mehr so stark frühjahrszentriert wie noch vor einigen Jahren. Gerade E‑Bikes werden mittlerweile über das ganze Jahr gekauft.“ Der deutsche Einzelhandel werde diesen Stresstest bewältigen und danach werde auch die Nachfrage in den Läden steigen. Diese seien voll und darauf vorbereitet. Sein Tipp an Endkunden lautet deshalb: „Informieren Sie sich jetzt intensiv und rufen Sie auch schon mal den Händler an, um die individuelle Lage zu prüfen und sich beraten zu lassen. Wir liefern bestellte Räder nach Rücksprache auch weiterhin an unsere Händler. So kann man die Zeit bis zur Öffnung der Shops nutzen und beim Fachhändler kaufen.“

Unsicherheit bleibt

Reiner Probst vom Fahrradladen Velophil hat seinen Laden in Berlin und darf deshalb aktuell Räder verkaufen. Seine Erfahrung deckt sich mit Dohrmanns Tipp: Die Kunden kommen bereits besser informiert in den Laden, weil sie mehr Zeit für die Recherche zu Hause hätten und sich vorab auch telefonisch beraten ließen. Er verkauft deshalb auch weiterhin Fahrräder aus seinem kompletten Angebot. Die stationäre Beratung und der Verkauf finden allerdings unter strengen Auflagen statt. „Wir bedienen maximal zwei Kunden gleichzeitig im Laden. Außerdem sind die Öffnungszeiten eingeschränkt, um unsere Mitarbeiter und die Kunden zu schützen“, berichtet Probst über die Sicherheitsmaßnahmen. Ihn ärgert es, dass es keine deutschlandweite Regelung für den Verkauf von Fahrrädern gibt. Gerade diese Unsicherheit würde viele Kunden abhalten, in den Laden zu kommen – selbst wenn dieser geöffnet ist.


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