Sechs Fragen an Rainer Fumpfei Sechs Fragen an Rainer Fumpfei Sechs Fragen an Rainer Fumpfei

Stadtradeln-Botschafter aus Leidenschaft

Sechs Fragen an Rainer Fumpfei

  • Marianne Quelle

Vier Wochen am Stück radelt er durch Deutschland, nimmt teilweise fünf Termine am Tag wahr und kommt mit der Botschaft: Stress hat man nicht, Stress macht man sich.

1. Wie sind Sie Stadtradeln-Botschafter geworden?

Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und habe schon vor Jahren als Tourenbegleiter beim adfc Touren fürs Stadtradeln organisiert. 2011 wollte ich von Hamburg nach Berlin radeln und die gefahrenen Kilometer für mein Stadtradeln-Team gutschreiben lassen. Ich habe eine Mail ans Klimabündnis geschrieben, um ihnen mein Vorhaben mitzuteilen. Sie waren begeistert, das Ganze 'offiziell' zu machen. Die Kampagne war damals noch nicht allzu bekannt. Ich fuhr also als Stadtradeln-Botschafter in die Hauptstadt und bekam einen Empfang beim Bundesumweltministerium sowie bei der damaligen Staatskanzlei für Verkehr und Umwelt.
Ich bin die Strecke Hamburg – Berlin zweimal hintereinander gefahren. Danach musste was Neues her. Also habe ich beim Klimabündnis nachgefragt, wen ich denn noch besuchen könnte – und so war die Botschafter-Tour geboren.

2. Wie planen Sie die Tour durch Deutschland?

Aus den zahlreichen Anfragen von teilnehmenden Kommunen und Städten wähle ich einen Startpunkt aus und erstelle eine Route, auf der ich soviele Orte wie möglich nacheinander anfahren kann. Obwohl die Botschafter-Tour bereits am 26. Juli startet, habe ich erst im März mit der Planung begonnen. Aus beruflichen Gründen ging es nicht anders. Außerdem konnten sich teilnehmende Orte bis jetzt immer noch melden, wenn sie Interesse an einem Besuch haben. Der Planungsaufwand ist enorm. Meine Tage sind minutiös durchgetaktet, damit ich möglichst viele Termine zu den ausgemachten Zeiten wahrnehmen kann. Manchmal sind es sogar fünf an einem Tag. Bisher bin ich erst einmal zu spät gekommen.

3. Ist das nicht recht stressig?

Nein. Mir macht das Ganze ja riesigen Spaß. Außerdem liegen dazwischen auch reine Fahrtage. Und Zeit für eine Panne oder mal eine Tasse Kaffee, eine Pause an einem See habe ich mit einkalkuliert. Auch, wenn es sich nach viel anhört, es geht ja nicht darum, von A nach B zu hetzen. Stress hat man nicht, Stress macht man sich selber.

4. Ist das eine Ihrer ganz eigenen Botschaften?

In gewisser Weise ja. Dieser selbstgemachte Stress macht sich vielfältig bemerkbar. So hat die Aggressivität unter den Verkehrsteilnehmern stark zugenommen – unter allen. Jedem fällt es zwar auf, aber keiner unternimmt etwas. Es liegt an jedem selber. Ich fahre beispielsweise jeden Tag zehn Minuten früher los. Diese Zeit kann ich dann anderen Verkehrsteilnehmern 'schenken', um gefährliche Situationen zu vermeiden. Dadurch komme ich ruhiger und entspannter zur Arbeit. Als Botschafter möchte ich genau das vermitteln: Was kann ich selber tun, für die eigene Gesundheit oder das Klima.

5. Wie gestaltet sich diese Botschafter-Tour?

Ich reise mit der Bahn zu meinem Startpunkt und bin anschließend vier Wochen – so lange dauert die Botschafter-Tour – nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Mit dem Auto zu fahren, lehne ich kategorisch ab, auch wenn mir es jemand anbietet, zum Beispiel um in einer Stadtradelgemeinde abends ins Restaurant zu fahren. Alternativ gehe ich zu Fuß. Ich will damit zeigen 'Leute, es geht auch ohne' – vor allem bei Kurzstrecken. Generell fahre ich soviel wie möglich mit dem Fahrrad, auch daheim.

6. Wie sieht Ihr Reiserad aus?

Ich fahre ein Patria-Rad, das speziell für mich gebaut worden ist. Es sitzt sich darauf wie in einem Ohrensessel. Ich habe alles dabei, was man auf einer richtigen, autarken Radreise braucht. Insgesamt wiegt mein Gespann mit Rad, Anhänger und vollen Packtaschen rund 90 Kilo, und ja, ich fahre ohne E.
Da ich Zelt und Schlafsack dabei habe, bin ich unabhängiger. Das Wichtigste sind dann natürlich Camingplätze für eine erfrischende Dusche am Abend. Wo das nicht geht, suche ich mir ausnahmsweise eine Pension. Manchmal lädt mich auch eine Kommune oder Stadt zum Übernachen ein. Nur ganz selten komme ich privat irgendwo unter.

Mehr Informationen zur Aktion Stadtradeln gibt es unter www.stadtradeln.de

Themen: DeutschlandFahrradInterviewKlimaschutzStadtradeln


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