360 Radkilometer auf Spuren der belgischen Radklassiker 360 Radkilometer auf Spuren der belgischen Radklassiker 360 Radkilometer auf Spuren der belgischen Radklassiker

Radreise durch Belgien

360 Radkilometer auf Spuren der belgischen Radklassiker

  • Sven Bremer

Das Radwegenetz RAVeL in der radsportverrückten Wallonie ist zwar noch ausbaufähig. Trekking­bike-Autor Sven Bremer hat die Region im Südosten Belgiens überwiegend auf kleinen Landstraßen erkundet und war begeistert.

360 km Radreise durch Belgien

12 Bilder

Die Ardennen bilden den südöstlichen Teil des Königreichs Belgien. Das einzige Mittelgebirge des Landes grenzt im Osten an die Eifel, im Südosten an das Großherzogtum Luxemburg und im Süden sowie im Südwesten an Frankreich. Die Ardennen mit ihren Hügeln zwischen 150 und knapp 700 Metern Höhe gehören zur Wallonie, dem französischsprachigen Teil Belgiens. Alpinen Charakter haben die Strecken in der Wallonie nicht, aber es ist ein einziges Auf und Ab; die unzähligen Anstiege sind selten lang, dafür oft um so giftiger. Durch die Region führen im Frühjahr die extrem schweren Eintages-Klassiker "Flèche Wallonne" und "Lüttich-Bastogne-Lüttich".

Von den viel gepriesenen Bahntrassen-Radwege namens RAVeL findet man nur wenige in der gesamten Region. Mal sind sie bestens ausgeschildert und gut zu fahren, dann wieder ist die Streckenführung absolut abenteuerlich und unsinnig. Grundsätzlich ist es nicht so weit her mit der Infrastruktur für Reiseradler in der so rennradverrückte Region. Als Radweg gekennzeichnete Strecken auf den Karten gibt es in der Realität bisweilen (noch) gar nicht, von einer durchgängigen und verständlichen Radwegbeschilderung kann man nur träumen. Das ist jedoch nicht wirklich tragisch, denn es gibt zahlreiche winzige, überwiegend gut asphaltierte Sträßchen, und  auf den Nebenstrecken ist so gut wie kein  Verkehr - die Ardennen sind längst nicht so dicht besiedelt wie der Rest des Landes.


Beste Reisezeit
Mai bis Oktober. Im Frühling kann es ungemütlich werden, wie die Fernsehbilder von den Frühjahrs-Klassikern im Radsport oft genug gezeigt haben. Insgesamt ist das Klima in den Ardennen ein wenig rauer als im übrigen Teil des Landes. Im Herbst regnet es weniger als im Frühjahr, das bunte Laub der Wälder macht die Region zusätzlich reizvoll.


Anreise
Auto:
Mit dem Auto fährt man in der Regel über Köln und Aachen auf der A 44 nach Lüttich. Wer aus dem Norden anreist, kann auch schon bei Venlo über die niederländische Grenze fahren und über Maastricht (A73, A79 und A2 ) nach Lüttich reisen. Für die Anreise aus dem Süden bietet sich die Strecke über die A1, vorbei an Trier, und weiter über die deutsche A60,  und schließlich die belgischen Autobahnen A27 und A3 an. 
Aus dem Ruhrpott ist es ein Katzensprung. Von Berlin und München aus sind es bis Lüttich jeweils fast 700 km.


Bahn:
Mit der Bahn führen fast alle Routen über Köln und Aachen. Von Aachen aus fahren ICE und Thalys in Windeseile nach Liège, noch ist aber nicht absehbar, wann die Hochgeschwindigkeitszüge auch Fahrräder unverpackt transportieren. Mit der Regionalbahn geht es in ca. einer Stunde von Aachen via Welkenraedt - mit einmal Umsteigen - nach Lüttich.


Unterkunft
Lüttich:
Pentahotel Liège, Boulevard de la Sauvenière 100, 4000 Liège, Tel.: + 32 4 221 77 11, https://www.pentahotels.com/fr/hotels/liege/hotel-information/

Dinant:
Castel Pont à Lesse, Rue de Pont-à-Lesse 36, 5500 Dinant, Tel.: +32 82 22 28 44, www.casteldepontalesse.be

Bouillon:
Hotel de la Poste, Place Saint-Arnould 1, 6830 Bouillon, Tel.: +32 61 46 51 51, www.hotelposte.be

La Roche-en-Ardenne:
Hostellerie La Clairefontaine, Rue de Vecpré 64, 6980 La Roche-en-Ardenne, Tel.: +32 84 41 24 70, www.clairefontaine.be


Essen und Trinken
Die "Frites" sind allgegenwärtig in Belgien – und sie sind teilweise gigantisch gut. Die besten gibt es in der Regel an den "baraque à frites", den kleinen Frittenbuden, die an jeder Ecke zu finden sind. Es gibt eine Vielzahl - und für unsere Verhältnisse – bisweilen abenteuerliche Saucen. Einfach probieren...
Aber Belgien ist alles andere als ein Fast-Food-Land. Es leuchten eine Vielzahl an Michelin-Sternen über den Feinschmecker-Tempeln der Wallonie. Essen und Trinken hat einen hohen Stellenwert in der Region. Der Ardenner Schinken ist eine Delikatesse; den besten gibt es angeblich in La Roche-en-Ardenne, bei "Bouillon et Fils" ( www.maison-bouillon.be ).
Die Wurst- und Wildspezialitäten sind ebenfalls nicht zu verachten. In Lüttich sollte man die speziellen Frikadellen (Boulets à la liégoise) probieren, die mit einer "Sauce lapin" (mit Sirop de Liège) serviert werden. Und hinterher gibt es entweder den würzigen Herver Käse oder aber, wenn man eher auf Süßes steht, eine Lütticher Waffel, die Coques de Dinant (eine Art Lebkuchen bzw. Honigkuchen) oder ein paar der erstklassigen Pralinen. Berühmt ist die Region für ihre Biere. Bis zu 10 Prozent Alkohol haben die dunklen Trappisten-Biere. Gewöhnungsbedürftig dürfte das Kriek (mit Kirschen angesetzt) oder das Framboise (mit Himbeeren) sein. Erstklassig ist das "Blanche", das belgische Weißbier.


Sprache
In der Wallonie wird Französisch gesprochen wird. Häufig sind die Informationen  zweisprachig gehalten, also auch in niederländisch. Deutsch ist aufgrund einer kleinen deutschsprachigen Gemeinschaft (0,6 % der Bevölkerung) nahe der deutsch-belgischen Grenze sogar dritte offizielle Amtssprache in Belgien, jenseits der Grenzregion spricht jedoch kaum jemand Deutsch.


Ausflugstipps/Sehenswertes
Städtchen wie Dinant, Durbuy und La Roche en Ardenne sind kleine Gesamtkunstwerke, alle drei liegen direkt an der Strecke. Lüttich (Liège) ist unbestritten das kulturelle Zentrum der Wallonie; 2016 wurde das neue überaus sehenswerte Museum für Bildende Kunst "La Boverie" eröffnet.  Für Kulturinteressierte bietet sich u. a. das Renaissance-Schloss Chateau de Jehay mit seiner außergewöhnlichen Kunstsammlung an – nur eins von zahlreichen sehenswerten Herrenhäusern in der Region. Der Belfried von Namur (nicht auf der Route) steht genau so auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO wie die historischen Zechen Grand Hornu, Bois-du-Luc, Bois du Cazier und Blegny-Mine. Ansonsten ist Belgien das Land der Trödel-, Antik- und Flohmärkte.


Fahrrad-Service
Lüttich
Galeries du Cycle, Quai de la Boverie 78, Tel.: +32 4 223 6632, www.galeriesducycle.com

Bei Dinant
Rem-Bike-Evasion, 71, Rue de la Molignée, 5537 Anhée, Tel.: +32 496 868194, www.rem-bike-evasion.be

Bei Bouillon
VRV Bike, Rue des Moissons 28, 6380 Rochhaut, +32 474 771152, www.vrvbike.com

La Roche-en-Ardenne
Ben Bikes, Avenaue de Villez 13bA, Tel.: +32 498 347956


Information
Belgien Tourismus Wallonie-Brüssel, Stolkgasse 25-45, 50667 Köln, Tel: 0221/277590, www.belgien-tourismus.de


Im Internet
www.ratgeber-belgien.de , www.belgium.be , www.beauxvillages.be , www.la-roche-tourisme.com , www.durbuyinfo.be , www.bouillon-tourisme.be , www.visitezliege.be


Literatur und Karten
Karten:
Michelin 534 Regional Benelux, Belgien Süd, 1:200.000, 8,99 Euro.
Eine gute Ergänzung sind die Karten RAVEL-Karten in dunkelrot (Province de Liège), grün (Province de Luxembourg) und orange (Province de Namur), jeweils im Maßstab 1:100.000. Erhältlich sind sie in vielen Tourist-Informationen vor Ort oder man bestellt sie vor der Reise über Belgien-Tourismus in Köln.
Reiseführer:
DuMont-Reise-Taschenbuch Belgien, 17,99 Euro, www.dumontreise.de


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 2/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App ( iTunes  und Google Play ) laden oder im DK-Shop  bestellen.

Themen: ArdennenBelgienRadreiseWallonie


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