Radtouren in Holland

Radfahren auf Holländisch

Grüne Landschaften und lichtdurchflutete Wälder, flache Wege und ein optimal ausgebautes Streckennetz entlang kleiner Ortschaften, die zum Pausieren bei „Koffie“ und Gebäck oder einer leckeren Chocomel einladen – das ist Radfahren auf Holländisch in der Grenzregion.

Barbara Merz-Weigandt am 18.08.2014
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Gerhard Eisenschink

Bei etwa 18 Millionen Fahrrädern für 16,5 Millionen Einwohner ist es kein Wunder, dass die Infrastruktur in den Niederlanden ganz aufs Radfahren ausgerichtet ist. Insgesamt schlängeln sich 32.000 Kilometer Radweg durch das kleine, flache Nachbarland, vernetzt im sogenannten Knotenpunktsystem. Jeder Punkt hat eine Nummer und ein Infoschild mit einer detaillierten Übersichtskarte. Auch die Distanz zum nächsten Knotenpunkt wird angegeben. Auf diesem dichtgeknüpften Netz der niederländischen (Fern-)Radwanderwege verläuft auch die Van Gogh-Route, eine neue und reizvolle Radtour in der Provinz Brabant. Die Meisterwerke von Vincent van Gogh (1853-1890) sind über die ganze Welt zerstreut und überall bekannt, aber ihre Wurzeln liegen in Brabant. Hier wurde Vincent van Gogh geboren und machte seine ersten Pinselstriche. Sein Meisterwerk "Die Kartoffelesser" fertigte er ebenfalls hier an. In fünf Brabanter Gemeinden sind bis heute Spuren Van Goghs, seiner Inspirationsquellen und seines Werkes zu entdecken. Die neue Van-Gogh-Route führt entlang dieser Schauplätze und bietet 2015 besondere Highlights, denn der Todestag des Künstlers jährt sich dann zum 125. Mal. www.radfahren-auf-hollaendisch.de

Knotenpunktsystem für Spontane
Das Knotenpunkte-System erstreckt sich über ganz Holland. Auf den Radwegen folgt man am besten den nummerierten Routenschildern und radelt einfach von einem Knotenpunkt zum nächsten. Jeder Knotenpunkt hat eine Nummer und vor Ort ein Infoschild mit einer detaillierten Übersichtskarte. Auch die Distanz zum nächsten Knotenpunkt wird hier angegeben. Von jedem Knotenpunkt aus kann die Route über unterschiedliche Knotenpunkte fortgesetzt werden. So können Urlauber ihre ganz eigene Route, je nach Interessen und Konditionslevel, abändern und entsprechend länger oder kürzer gestalten. Das Knotenpunkte-System gibt Radfahrern so größtmögliche Flexibilität bei der Planung der Route – noch während der Radtour.

LF-Routen für Langstreckenfahrer
LF steht für "Landelijke Fietsroutes” – damit sind die 27 landesweiten Fernradrouten gemeint. Die Routen reichen von nur 20 bis 385 Kilometer Länge, und eignen sich perfekt für lange Touren über mehrere Tage. Es gibt auch komplette Touren-Vorschläge innerhalb des LF-Systems, darunter die 1300 Kilometer lange "Ronde van Nederland". Insgesamt 4500 Kilometer Strecke gehören zum LF-Netzwerk. Die Routen sind in beide Richtungen mit rechteckigen, weißen Schildern mit grüner Aufschrift markiert. Auf den Schildern sind die Nummer und der Name der Route sowie ein Richtungspfeil angegeben. Mit der Ergänzung "a" oder "b" wird die Richtung ausgewiesen: Die a-Richtung (beispielsweise LF1a Nordseeroute) führt von Nord nach Süd oder von West nach Ost, die Route in Richtung "b" verläuft umgekehrt. Dort, wo LF-Routen aufeinandertreffen, geben Wegweiser die jeweiligen Richtungen an.

Mit dem Zweirad aufs Wasser!
Das touristische Fahrrad-Pendelboot, das in den Sommermonaten dienstags und donnerstags über die Waal, den Rhein und die IJssel in der Grenzregion fährt, macht es ganz einfach, Natur-, Kultur- und Städtetrips miteinander zu verbinden. Auch im deutschen Ort Rees legt die kleine Fähre ab. Deutsche Radler können die niederländische Grenzregion so vom Wasser aus genießen, bevor sie schließlich auf festem Boden durch das Deichvorland radeln, entlang malerischer Ortschaften, Burgen, Museen und hübscher Terrassen zum Rasten.
Abfahrtsstellen: Nimwegen, Arnheim, Zutpen und Rees, Haltestellen: Emmerich, Tolkamer, Millingen, Dieren, Doesburg und Doornenburg. flusse.dasandereholland.de

Themenrouten

Obwohl man in Holland auch wunderbar einfach drauf los radeln kann, empfiehlt es sich genauso, einer der vielen Themenrouten durch die grüne Grenzregion zu folgen. Eine Ideenauswahl finden Urlauber im Internet, aber auch lokale Tourismusbüros bieten oftmals Karten- und Infomaterial mit Themenrouten-Vorschlägen durch ihre Region an. So kann man spontan innerhalb des praktischen Knotenpunktsystems auf Entdeckungstour gehen. Weitere Informationen zu allen Routen gibt es auf www.radfahren-auf-hollaendisch.de

Älteste Radroute der Niederlande durch Gelderland

Historisches Erbe, landschaftliches Idyll und Bewegung an der frischen Luft bietet die sogenannte "Acht-Schlösser-Route Vorden" (Provinz Gelderland), die Radler auf eine Entdeckungsreise zwischen herrschaftlichen Anwesen und farbenfrohen Schlossgärten einlädt. Auf gut 35 Kilometern führt die Route durch die Grenzregion vorbei an verborgenen Feldwegen, über schnurgerade Alleen und durch historische Ortskerne, wo gut sichtbare Hinweisschilder den Weg zu acht fürstlichen Sehenswürdigkeiten weisen. Die meisten der Anwesen werden noch immer privat bewohnt. Trotzdem ist auf der ältesten beschilderten Radroute der Niederlande mehr als Staunen im Vorbeiradeln möglich: Viele der weitläufigen Schlossgärten laden zu Verschnaufpausen in außergewöhnlichem Ambiente. Schloss Vorden und Schloss Hackfort öffnen sogar ihre schweren Türen für neugierige Besucher. Gemälde, Barockmöbel, schwere Teppiche und bemaltes Porzellan erwecken längst vergangene Zeiten wieder zum Leben. Im Kutschenhaus auf Schloss Hackfort wird für Wegzehrung in stilvollem Ambiente gesorgt – hier ist ein Restaurant untergebracht, das seine Gäste fürstlich verwöhnt.

Achtkastelenroute entlang von Schlössern und Herrenhäusern

Wer sich auf die Achtkastelenroute rund um das Städtchen Vorden begibt, radelt auf den Spuren des Achterhoeker Landadels. Auf gut 35 Kilometern geht es über idyllische Feldwege und hochgewachsene Buchenalleen, durch kleine Waldstücke und versteckte Dörfer. Acht hochherrschaftliche Anwesen säumen den Radwanderweg rund um Vorden – und laden die Pedalritter zu "edlen" Verschnaufpausen ein. Ausgangspunkt der Achtkastelenroute ist das Herrenhaus De Wiersse, das von einem farbenfrohen Landschaftspark umgeben ist. Rosensträucher, Gemüsegärten, Kräuterbeete und schmale Pfade erstrecken sich auf einem 47 Hektar großen Grundstück. Ein Augenschmaus, der Lust auf mehr macht. Kein Wunder also, dass Radfahrer von hier aus bereits seit 1913 zu großen Schlösser-Touren aufbrechen – in Eigenregie oder mit einem Radwanderführer. Historisches Erbe, landschaftliches Idyll und Bewegung an der frischen Luft: Auf der Achtkastelenroute kommen Kulturinteressierte, Naturfreunde und Aktive gleichermaßen auf ihre Kosten. An Kornfeldern, Kuhweiden und Kanälen vorbei weisen gelbe Hinweisschilder den Weg zu verschnörkelten Schlosstoren, gepflegten Hofeinfahrten und historischen Gartenanlagen. Die meisten der acht Anwesen sind in Privatbesitz und werden noch immer bewohnt. Dennoch ist mehr als Staunen beim Vorbeiradeln möglich: Wer möchte, kann in vielen der Schlossgärten im wahrsten Sinne des Wortes lustwandeln – und neue Kräfte für die Weiterfahrt sammeln.

Kulinarische Route: Obstgärten, Käseläden und Bauerncafés

Viel Leckeres von bester Qualität gibt es auch entlang der "Veel Luwe Smultour", einer Route mit kulinarischem Fokus durch die Region Veluwe (Provinz Gelderland). Auf dem Fahrrad geht es über verborgene Pfade und Brücken, durch Wälder und Dörfer, an Windmühlen und Seen vorbei. Entlang der Strecke befinden sich mal ein romantischer Obstgarten oder ein malerisches Bauerncafé, dann eine alte Dorfbäckerei und ein duftender Käseladen. Wer sich auf die Schlemmer-Tour im anderen Holland begibt, lernt die Region von ihrer schönsten und leckersten Seite kennen. Ob eine Schüssel mit frisch gepflückten Preiselbeeren, ein Brot mit echtem Veluwer Honig, selbstgeräucherter Fisch oder ein Glas Apfelsaft aus eigener Herstellung – an ausgewiesenen Stationen der Routen heißt es: "runter vom Sattel und ran an den gedeckten Tisch". Landwirte, Bäckermeister, Imker und Fischer öffnen ihre Türen und laden hungrige wie durstige Radler auf eine Stärkung mit Produkten aus der Region ein.

Entdeckungstour durch den Nationalpark Hoge Veluwe

Der Nationalpark "De Hoge Veluwe" ist mit rund 5.500 Hektar einer der größten Nationalparks der Niederlande. Der Park ist eine uralte, von Menschenhand geschaffene Landschaft, die aus natürlichem und kultiviertem Wald- und Parkland besteht. Die Veluwe ist berühmt für ihre artenreiche Tierwelt, darunter Rehe und Wildschweine, sowie für ihre Pflanzenarten, die in Heiden- und Treibsand-Landschaften zu Hause sind. Eine der typischen Eigenschaften des Nationalparks ist, dass er 1.700 weiße Fahrräder kostenfrei zur Verfügung stellt, sodass Urlauber problemlos die insgesamt 42 Kilometer langen Pfade durch den Park erkunden können. www.hogeveluwe.nl/de/

Barbara Merz-Weigandt am 18.08.2014

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