Radtour zu den Katharer-Burgen Radtour zu den Katharer-Burgen Radtour zu den Katharer-Burgen

Radreise durch das Pays Cathare

Radtour zu den Katharer-Burgen

  • Klaus Tödt-Rübel

D 613, D 224, D 261, D 212 – was klingt wie Kennziffern für Konservierungsstoffe sind die Nummern der kleinen, nahezu autofreien Straßen, auf denen sich Autor Klaus Tödt-Rübel in die endlosen Weinfelder der Corbières entführen lässt.

Das Land der Katharer, "le pays Cathare", gehört größtenteils zum Département Aude im Südwesten Frankreichs. Die Region unweit der Mittelmeerküste zwischen dem Canal du Midi und den Pyrenäen ist hügelig bis bergig. Sie ist dünn besiedelt und von einem lockeren Netz nahezu autofreier, gut asphaltierter Landstraßen durchzogen. Die Katharer-Burgen liegen hoch oben auf Felskuppen und -spornen, sehr zum Entzücken der "Bergziegen" unter den Radlern. 15 - 20% lauern auf den letzten Kilometern hinauf nach Quéribus, Peyrepertuse, Puilaurens oder Aguilar. Das letzte Stück zu den Burgruinen geht man zu Fuß. Zwischen Carcassonne und Narbonne verläuft der Radweg flach am Canal du Midi entlang  - kilometerlang allerdings wie ein Hindernisparcours wegen der im Schlamm eingetrockneten Fahrspuren und der dicken Baumwurzeln, die den ehemaligen Treidelweg kreuzen. Besonders kräftezehrend wird die Reise, wenn dem Radler der Cers, ein heftiger Fallwind aus Nordwesten, um die Ohren pfeift.

Radreise durch das Pays Cathare

15 Bilder

Die Route Länge: ca. 500 km / Höhenmeter: ca. 5650 m

(Burgen hervorgehoben, Campingplätze unterstrichen):

Narbonne - Ornaison - Ferrals-les-Corbières - Lagrasse - Château de Termes - Col de Bedos - Villerouge-Termenès - Villeneuve-les-Corbières - Tuchan (Aguilar, Quéribus, Peyrepertuse) – Col de Ferréol – Montgaillard - Gorges de Galamus - St.Paul-de-Fenouillet - Prugnanes - Puilaurens - Axat - Vallée du Rébenty - Espezel – Montségur - Lavelanet – Radweg auf ehemaliger Bahntrasse via Chalabre nach Mirepoix – Lafage – Fanjeaux - Alaigne - Limoux - St.Hilaire - Carcassonne – am Canal du Midi via Trèbes nach Homps - Paraza - St.Marcel sur Aude - Narbonne

Man sollte fit sein, eine Bergübersetzung an Bord und keine Furcht vor "Hochprozentigem" haben, wenn man die Reise genießen will. Einige heftige Anstiege, manchmal mehrere Kilometer lang und stellenweise über 10%, strammer Gegenwind, Temperaturen weit über 30° und zwei Gewitter mit Regen sorgten dafür, dass wir uns abends gut durchgearbeitet fühlten. Aber welch ein Erlebnis! Das "Pays Cathare" zählt zu den landschaftlich schönsten Gegenden in Frankreich!

Tipp: Tuchan als "Basislager" (2 Nächte) für den Besuch von Quéribus und Peyrepertuse nutzen und die Packtaschen im Zelt lassen.

Besichtigungen:

Der Besuch der Burgen kostet Eintritt (3 bis 5€). 19 Monumente, darunter die "Katharerburgen",  bieten gegen Vorlage des "Passeport des Sites Cathares" einen um 1€ ermäßigten Eintritt. Preis des Passes: 3€. Erhältlich an den Kassen.

Infos:

www.payscathare.org

www.audetourisme.com (mit Campingführer)

de.rendezvousenfrance.com

[email protected]

Anreise nach Narbonne:

Mit der Bahn via Lyon - Avignon - Narbonne. Für den TGV, das viel schnellere Pendant des deutschen ICE,  muss der Radtransport vorher angemeldet werden. Verpackt kann das Velo als Handgepäck mitreisen. Tipp für Frühbucher: Von Frankfurt fährt ein TGV für 39 Euro in etwa 7 Stunden nach Avignon. Weiter im Regionalzug TER nach Narbonne (2–3 Stunden, Velo gratis).

Von Hamburg, Neu-Isenburg und Düsseldorf fährt ein Auto-Reisezug nach Narbonne. Er transportiert allerdings keine Radreisenden, sondern nur Leute mit Autos – Räder nur als "Reisegepäck" im Auto.


www.dbautozug.de

Mit dem Auto auf der A 7 über Lyon Richtung Barcelona (mautpflichtig). Entfernung ab Frankfurt am Main ca. 1100 km. In Narbonne gibt es mehrere sichere Parkmöglichkeiten. Der Parking Mirabeau z.B. liegt im Zentrum am Canal de la Robine. Tarif: 10.20 € / Tag.

Reisezeit:

Mai bis Oktober. Im Sommer steigt das Thermometer gewöhnlich auf über 30 Grad. Aber es kann Tage geben, an denen man froh ist, Regenzeug und Polarfleece dabei zu haben. In den Ferienmonaten Juli und August herrscht reges Treiben auf den Burgen. Peyrepertuse und Quéribus z.B. zählen nach der weltberühmten Festung von Carcassonne zu den größten Touristenattraktionen der Region.

Unterkunft:

Hotels und Gästezimmer findet man überall und für jeden Geldbeutel. Campingplätze (z.T. Bungalows und Mobile Homes zu mieten) in allen größeren Dörfern sowie in den Städten. Wir sind Mitte August auf den Campingplätzen - allesamt sehr gut - in den unterstrichenen Orten ohne Reservierung untergekommen.


Besonders zu empfehlen:

Camping La Crémade, Rasenplatz ca. 2 km vor Axat einsam unter hohen Kiefern gelegen. Sehr ruhig. Telefon 00 33 4 68 20 50 64, mob. 0681517285, www.lacremade.com Preis: 13,00 / Nacht / zwei

Camping Municipal Montségur, sehr einfach, aber tolle Lage am Fuße der Burg von Montségur! Telefon 00 33 5 61 01 10 27, www.montsegur.fr Preis: 4,00 Euro / Nacht / Person

Essen und Trinken:

In den größeren Dörfern findet man alles für ein Picknick (Brot, Käse, Wurst, Getränke usw.) Vom nächsten Restaurant ist man während der ganzen Reise nie weiter als 15km entfernt. Das Cassoulet (deftiges Gericht aus dem Backofen mit weißen Bohnen, Wurst, Speck, Pökelfleisch, Geflügel, Thymian, Lorbeer usw.) gilt als  Highlight der okzitanischen Küche. Es gibt wahrscheinlich so viele Rezepte wie es in der Gegend Großmütter gibt. (Tipp: Restaurant Les Trois Grâces in Lagrasse und Le Cantegril in Mirepoix). Die Verdauung allerdings kann zu geräuschvoller Schwerstarbeit ausarten und das Fahren im Windschatten beeinträchtigen. Die "Blanquette de Limoux" trinkt man am besten gut gekühlt und "brut", trocken: Den Mönchen aus der Abtei St. Hilaire bei Limoux gelang es sehr viel früher (1531 erstmals erwähnt) als ihren Brüdern in der Champagne, den Weißwein der Region zum Perlen zu bringen.

Radservice

Zahlreiche Fahrradläden mit Reparaturservice in Narbonne, Limoux und Carcassonne.

Literatur und Karten:

Languedoc-Roussillon, aus der Reihe Dumont Richtig Reisen, ISBN978-3-7701-7666-3, € 22,95

Aus der Reihe "Michelin Local" die Karte Nr. 344, Aude, Pyrénées Orientales (1:150000)

Lothar Baier, Die große Ketzerei. Verfolgung und Ausrottung der Katharer durch Kirche und Wissenschaft, Wagenbach Verlag, antiquarisch - sehr lesenswert!

Den Artikel aus Ausgabe 5/2014 in voller Länge erhalten Sie als PDF-Download.

Themen: FrankreichGPXPays CathareRadreise

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