Tourenplanung fürs E-BIKE

Schöner Fahren: So planen Sie die beste Tour mit dem E-Bike

Eine genussvolle Radtour will gut vorbereitet sein. Auf der Wunschliste stehen Radwege, ruhige Nebenstraßen und viel Natur. Aber wie findet man die besten Routen? Wir stellen verschiedene Planungsmethoden vor, von klassisch bis modern:

Matthias Rotter am 31.07.2017
Tourenplanung fürs E-BIKE
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Tourenplanung fürs E-BIKE

Einfach ins Blaue radeln? Kann man ­machen – wenn man Überraschungen liebt. Doch spätestens, wenn einem auf der x-ten Bundesstraße die Lastwagen um die Ohren brummen, wird man diese Entscheidung ­bereuen. Fahrspaß sieht anders aus. Klar, das passiert nicht im Heimatrevier, wo man die schönsten Strecken fast im Schlaf findet. Sobald man jedoch das gewohnte Terrain verlässt, ist eine Routenplanung empfehlenswert – vor allem im Urlaub, wenn man entspannt unterwegs sein und dabei viel erleben möchte. Die entscheidenden Fragen für Radler:

Wo verlaufen verkehrsarme Nebenstraßen? Gibt es, besser noch, eine beschilderte Radroute als Alternative? Wie sind Fahrbahn, beziehungsweise Weg beschaffen? Wo warten die schönsten Ausblicke in die Landschaft, wo kann man rasten oder einkehren? Und vor allem: Wie weit und wie steil ist es? Letzteres ist für E-Biker besonders wichtig, schließlich ist der Akku irgendwann leer. Man sollte seine Leistung daher ­realistisch einschätzen: Welche Unterstützungsstufen nutze ich häufig? Wie weit komme ich normalerweise mit geladenem Akku? Auf gut geplanter Route erreicht man im Notfall zumindest eine Zwischenstation mit Lademöglichkeit.

Planen macht Spass

Die einfachste Form der Routenplanung profitiert von den Erfahrungen anderer Radler: So stehen in den Regalen der Buchhandlungen viele Beschreibungen populärer Radwege und Radwanderrouten. Oder man stöbert in den Online-Tourenportalen nach öffentlich zugänglichen Datenaufzeichnungen, den GPS-Tracks. Diese Tracks lassen sich auch am PC modifizieren und an eigene Wünsche anpassen. Eine solche Suche kann jedoch viel Zeit und Mühe kosten, die man lieber gleich in eine individuelle Planung investiert. Keine Angst: Man muss nicht zum Computer-Experten werden – aber es hilft enorm, wenn man die Errungenschaften moderner Technik zu nutzen weiß. Das betrifft besonders die Routenplaner-Programme, die auf vielen Seiten im Internet zur Verfügung stehen. Der nächste logische Schritt ist der Kauf eines GPS-Geräts, um die am Rechner geplanten Routen komfortabel nachzufahren. Oder man nutzt die GPS-Funktion des Smartphones. Das Gute daran: Die ­Bedienung der Geräte wird mit jeder Generation intuitiver, sodass nicht nur Spezialisten damit klar kommen.

Die gute alte Landkarte gehört indes längst noch nicht zum Altpapier! Sie bietet den optimalen Gesamt­überblick über eine Region; und durch die sogenannte Schummerung – die Tönung der Flächen, die den Eindruck erweckt, als leuchte eine imaginäre Lichtquelle die Landschaft aus – entsteht ein plastischer Eindruck. Zudem ist man mit Landkarte unabhängig von jeglicher Technik. Das kann vor allem unterwegs wichtig sein, zum Beispiel im Notfall! Man unterscheidet grob zwischen reinen Straßenkarten und topografischen Karten, die mithilfe von Höhen­linien das Profil der Landschaft realistisch darstellen. ­Außerdem bilden Topo-Karten neben den Straßen auch alle anderen Wege ab. Straßenkarten sind deshalb nur hilfreich für Radler, die ausschließlich auf Asphalt fahren möchten. Empfehlenswert sind beispielsweise die Michelin-Karten aus der Zoom-Serie im Maßstab 1:150.000. Sie bilden große Bereiche ab, die Darstellung der Landschaft ist durch eine schöne Schummerung sehr plastisch, und sie unterscheiden farblich markant zwischen Haupt- und Nebenstraßen. Auf fast allen Straßenabschnitten findert man Entfernungs­angaben zwischen wichtigen Knotenpunkten und Abzweigungen. Landschaftlich schöne Streckenabschnitte sind extra grün gekennzeichnet. Die Michelin-Karten sind ­optisch einheitlich für alle Länder Europas erhältlich.

Tourenplanung fürs E-BIKE

Ein Kartenmesser hilft, Entfernungen auf der Landkarte zu ermitteln. Selbst kurvigste Strecken lassen sich einfach abrollen. Der Maßstab wird voreingestellt, die Entfernung kann man in Kilometern ablesen. Der Linear 1 kostet 21,95 Euro. www.kasper-richter.de

Die beste Wahl sind jedoch feiner aufgelöste Topo-Karten, die zudem eine Fülle von weiteren Informationen enthalten, die für Radler wichtig sind. Eine große Abdeckung und Auswahl bieten etwa die Radkarten des Kompass-­Verlags, des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und die Topo-Karten der Landesvermessungsämter. Darin verzeichnet sind neben Straßen und Wirtschaftswegen auch Radwege, Sehenswürdigkeiten, Einkehrtipps und Unterkünfte. Straßen sind mit verschiedenen Farben klassifiziert. Damit lassen sich Nebenstrecken leicht aufspüren. Man ­findet je nach Karte sogar Tourentipps – von Strecken- bis Rundtour. Spezielle Fahrradkarten unterscheiden auch gut zwischen verschiedenen Wegbeschaffenheiten. Selbst wenn diese Angabe nicht immer zu 100 Prozent der Realität entspricht, so sind E-Biker in diesem Punkt bei weitem nicht so eingeschränkt wie beispielsweise Rennradler. Denn mit Trekkingrädern und Allroundbereifung überwindet man auch Wald- und Schotterwege problemlos. Mountainbikestrecken sind separat gekennzeichnet, sodass man sie nach Wunsch einplanen oder vermeiden kann.

Ein wichtiger Punkt bei der Tourenplanung ist die Ermittlung von Entfernungen und Höhenmetern. In den genannten Fahrradkarten findet man teilweise Kilometerangaben entlang der empfohlenen Radrouten. In herkömmlichen Topo-Karten ist nur der Maßstab ein Anhaltspunkt. Mithilfe eines Lineals lässt sich zumindest eine gerade Verbindung zwischen zwei Punkten problemlos ausrechnen. Eine kurvige Strecke jedoch weicht erheblich von der Luftlinie ab. Hilfe verspricht ein sogenannter Kartenmesser: eine Messuhr mit einer kleinen Rolle. Damit kann man jegliche Strecken auf der Karte abrollen und anschließend auf einer Skala mit verschiedenen Maßstäben die zurückgelegte Distanz ablesen. Kartenmesser gibt es als mechanische oder elektronische Variante. Weitaus schwieriger und ungenauer ist eine Prognose der zu erwartenden Höhenmeter, vor ­allem in hügeligem Terrain. Hier bleibt einem nichts anderes übrig, als längs der Strecke nach Höhenangaben in der Karte zu suchen, beziehungsweise sich an den Höhenlinien zu orientieren. Wo sind Steigungen? Wo sind Abfahrten? Man kann die Differenzen für jedes Teilstück ausrechnen und die Ergebnisse am Ende addieren. Das verschafft ­wenigstens einen groben Überblick. Längere Steigungen hingegen, beispielsweise in den Alpen, lassen sich mit dieser Methode gut berechnen. Hier findet man definierte Talorte und markierte Passhöhen.

Steht der Streckenverlauf fest, kann man die Route mit einem Leuchtmarker auf der Karte hervorheben. Unterwegs empfiehlt sich das Einschlagen in eine Kunststoffhülle, auch wenn viele Fahrradkarten inzwischen auf wasser­festem Papier gedruckt sind. Wer seine Karten nicht bemalen möchte, kann den entsprechenden Kartenausschnitt scannen und ausdrucken. Tipp: Profis schreiben sich ein kleines Roadbook mit den wichtigsten Ortschaften und ­Abzweigungen. Das lässt sich auch während der Fahrt aus der Trikottasche ziehen, und man spart sich vielleicht den einen oder anderen Orientierungs-Stopp.


Landkarte

PLUS    beste Übersicht, stets verfügbar, detaillierte Höhenangaben (Topo-Karten), spontane Routenänderungen problemlos

MINUS   Bestimmung von genauen Distanzen umständlich, meist mehrere Blattschnitte nötig (je nach Maßstab), häufiges Anhalten unterwegs zur Orientierung


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Matthias Rotter am 31.07.2017

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