Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

S-Pedelec Stromer ST2 im Langzeit-Test

Ein S-Pedelec ist ein toller Flitzer. Eigentlich. Das Stromer ST2 bewährte sich im Dauertest aber leider nicht wie erhofft. Und das Vergnügen endete früher, als unseren Testern lieb war.

Robert Egler, Anette Jacoby am 10.05.2017
Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec
Herstellerfoto

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Wow! Ein weißer Flitzer, kompakte Gestalt, profillose Reifen, keine Federgabel: Dieses S-Pedelec, das ST2 der schweizerischen Marke Stromer, verspricht Highspeed aus dem Alpenländle. Also auf zum ersten Test, in Unterstützungsstufe 3 zum ­Stegener Berg am Ammersee: mit 45 Sachen den Berg runter, dann mit ­­40 km/h und minimaler Anstrengung wieder hoch. Die Mundwinkel zeigen deutlich nach oben.

Um ausreichend Kilometer zu sammeln (Stand bei Übernahme: 487 km), nutzen wir das Rad zu zweit: Kurzstrecken und mittlere Distanzen für Erledigungen, mindestens ­einmal pro Woche 36 Kilo­meter Arbeitsweg von Inning nach München. Ernüchterung stellt sich bereits beim zweiten Ausritt ein: Akku eingeschaltet. Anzeige: 0% – obwohl er am Vorabend voll geladen wurde. Wird schon gehen, denke ich, sind ja nur wenige Kilometer. Denkste! Das hohe ­Gewicht eines S-Pedelecs spürt man im "Fahrradmodus" deutlich: Ich muss sogar bergab mit Anstrengung treten.

Nach Rücksprache mit dem Hersteller nehmen wir den Akku heraus und setzen ihn nach kurzer Zeit wieder ein. Mit ein wenig Kontaktspray soll das Problem ­behoben sein. Tatsächlich: Das Stromer bringt mich in ­Rekordzeit wieder nach Hause. Leider tritt das Problem ­wieder auf. Im Display: "Battery Error/Systemfehler".

Und weitere Probleme folgen: Auf einer längeren Fahrt über eine bekannte Strecke wundere ich mich nach kurzer Zeit, wie schnell ich laut Tacho unterwegs bin. Am Ziel angekommen, staune ich noch mehr. Durchschnittsgeschwindigkeit: 120 km/h! Die Uhr war ausge­fallen, und so ermittelte der Computer diese Rekordzeit. Ein Software-Update ruft zwar die Uhr wieder ins Leben, hilft aber beim Akku-Problem nicht wirklich weiter. Bereits nach wenigen hundert Kilometern bemerken wir eine Art "Brems­effekt" während des Tretens, der leider auch nach dem Software-Update nicht verschwindet.

Da wir das Bike zu zweit nutzen, müssen wir die ­Sattelhöhe oft variieren. Die Folge: Die Schraube der Sattelstützenklemmung bricht nach kurzer Zeit und ist nur schwer zu entfernen. Das Fixieren mit einer neuen Schraube funktioniert nicht – die Stütze lässt sich nicht sicher ­klemmen. Wir erhalten vom Hersteller jedoch schnell ­Ersatz: eine professionellere Klemme, die hält.

Nach zirka 1.600 Kilometern ist zu spüren, dass die anfangs so gelobten 45 km/h kaum mehr zu erreichen sind. Auf der letzten Fahrt komme ich nur auf gute 20 km/h – und das mit viel Anstrengung beim Treten.

Ein Leistungsverlust des Akkus? Ein Motorproblem? Unklar. Und wir wollen es am Ende gar nicht mehr genau wissen, so frustriert sind wir. Klar und unaus­weichlich ist: Wir müssen den Dauertest vorzeitig – nach 1.209 gefahrenen Kilometern – abbrechen. Der Antrieb macht das Weiter­fahren durch starkes "Mitbremsen" und ein sehr lautes ­Geräusch während der Fahrt so gut wie unmöglich. Die ­Vibrationen verteilen sich über das komplette Rad und ­machen es unfahrbar. Aus Sicherheitsgründen stellen wir den ­Fahrtest sofort ein. Leider.


DIE BILANZ

Antrieb/Akku   Syno Drive, 500 W, 40 Nm/814 Wh
Schaltung   Shimano, 20-Gang
Preis   6.490 Euro
Info   www.stromerbike.com

Verschleiß    Spiegel gelockert (Km 1.623)

Defekte    Akku ausgefallen (Km 692), leichter Bremseffekt (erstmals Km 722), Zeitmessung ausgefallen (Km 1.274), Sattelstützenklemmung gebrochen (Km 1.274), "Battery Error" (mehrmals ab Km 1.311), zunehmender Bremseffekt beim Treten; Brummen, Vibration des gesamten Rades (ab Km 1.650)

Verbrauch*  15,4 bis 17,0 Wh/km
Durchschnittl. Verbrauch  16,2 Wh/km
Stromkosten**  37 Cent/100 Kilometer

PLUS   kräftiger Motor, spricht schnell ­an, sicheres Fahrgefühl, trotz ­ Starrgabel recht komfortabel
MINUS   Bremseffekt während des Fahrens Akku-Probleme von Anfang an


*Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die Ladearbeit, geteilt durch die gefahrenen Kilometer. Der Durchschnittswert zeigt das Mittel auf die gesamte Fahrtstrecke.
**Für den Preis pro 100 Kilometer wurde ein Strompreis von 22,86 Cent/KWh angesetzt.


Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Sichtbarkeit: Das Tagfahrlicht leuchtet am Stromer auto­matisch, sobald man losfährt.

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Rücksicht: Auch der Rückspiegel gehört zu den Ausstattungsteilen, die am S-Pedelecvon Stromer Pflicht sind.

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Einschränkungen:  Leider darf statt der Schraube kein Schnellspanner montiert werden, da er in der Stromer-Betriebserlaubnis nicht aufgeführt ist.

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Hinterradnabenmotor: Der Motor spricht spontan an und macht mit erstaunlich guter Power das Stromer schön schnell.

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Gepäckträger: Taschen lassen sich mit dem Stromer sicher transportieren, beispielsweise mit
Racktime- sowie Hook & Lock-Systemen.

Dauertest 2017: Stromer ST2 S-Pedelec

Versicherungskennzeichen: Jedes S-Pedelec braucht es. Außerdem muss die Betriebs­erlaubnis mitgeführt werden.


Der komplette Artikel stand in E-BIKE Ausgabe 2/2017. Sie können die Ausgabe in der MYBIKE-App (iTunes  und Google Play) laden oder im DK-Shop  bestellen. 

 


Robert Egler, Anette Jacoby am 10.05.2017