Neue Radtechnik 2018: Cyfly-Antrieb

Mehr Kraft aus der Kurbel

Die reaktivierte Fahrradmarke Möve präsentiert mit dem Cyfly-Antrieb eine anspruchsvolle Neuheit: Die Kurbel soll dank variabler Länge mehr Drehmoment liefern. Wir sind die Wunderkurbel erstmals gefahren.

Jochen Donner am 29.12.2017
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Daniel Simon
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Generationen von Radfahrern haben sich damit geplagt, möglichst perfekt den berühmten „runden Tritt“ anzutrainieren. Denn nur so kann man der biomechanisch unfreundlichen Kreisbahn herkömmlicher Fahrradkurbeln flüssige Effizienz abringen. Längere Tretkurbeln würden, laut Hebelgesetzen, zwar mehr Kraft umsetzen, doch schnell würden die Pedale in der tiefsten Stellung auf dem Boden aufsetzen.
Mit ungebrochener Innovationsfreude machte sich eine kleine Mannschaft engagierter Ingenieure aus Thüringen daran, das gesamte System aus Tretlager und Kurbel neu zu denken. Durch ein aufwendiges Hebelsystem haben die Cyfly-Macher erreicht, dass die Kurbellänge ihres Antriebs in den entscheidenden Bereichen der Abwärtsbewegung eine größere Länge entwickelt, an den uneffizienten Totpunkten oben und unten jedoch wieder verkürzt.

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Von unten zeigt sich die ganze Komplexität der Konstruktion. Ein ovalisiertes Kettenblatt harmonisiert die Zugkräfte der Kette.

So bringt das jeweilige abwärts tretende Bein seine Maximalkraft mit größerem Anteil in den Fahrrad­antrieb ein als zuvor, die Effizienz soll um bis zu 33 Prozent zunehmen. Eine Hebelage versetzt dazu den Drehpunkt der Kurbel neben, respektive hinter die Tretlagerachse. So tritt man in der 3-Uhr-Stellung mit einer virtuell 224 Millimeter langen Kurbel und erhält damit deren Drehmoment dort, wo es am  sinnvollsten ist. Danach verkürzt die exzentrische Umlenkung die Kurbel wieder bis auf ihre wahre Länge von 166 Millimetern. Als weiterer Kunstgriff stellt ein weiterer kleiner Hebel die Kurbel im oberen Totpunkt so an, dass der Totpunkt flüssiger überwunden wird. Die Tretbewegung wirkt anfangs irgendwie eckig, doch nach wenigen Kilometern hat sich das Fahrgefühl angepasst. Die zusätzliche Kraft bei jedem Abwärtstritt wird in schwungvollerer Beschleunigung spürbar.

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Ein Ensemble von Schubstangen und Pleueln sorgt dafür, dass die Cyfly-Kurbel beim Abwärts-Tritt ihre größte virtuelle Länge und damit mehr Drehmoment erreicht.

Das elegante Möve-Rad aus gleichem Hause, in dem die Cyfly anfangs exklusiv montiert wird, entwickelt im Antritt ähnlichen Schub wie ein E-Bike. Adé, runder Tritt – es stellt sich allmählich eher eine Stampf-Bewegung ein. Doch noch ist Möve Franklin mit fast 17 Kilo recht schwer und beschleunigt entsprechend zäh. Die Cyfly-Kurbel und ihr Rahmen-Interface bringen nur rund zwei Kilo Mehrgewicht auf die Waage,  am Rad wiegen jedoch allein die Laufräder schon  über 5 Kilo. Der Cyfly-Antrieb ist mit allen Ketten- und Nabenschaltungen kompatibel. Auch der Einsatz in E-Bikes ist geplant und soll dort für größere Akku-Reichweiten sorgen. 


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 5/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes  und Google Play ) laden oder im DK-Shop  bestellen.

Jochen Donner am 29.12.2017

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