Panorama-Runde mit dem E-BikeIn zwei Etappen um den Wilden Kaiser

Matthias Rotter

 · 12.10.2022

Panorama-Runde mit dem E-Bike: In zwei Etappen um den Wilden KaiserFoto: Matthias Rotter

Bizarre Felszacken aus Kalkstein. Der Wilde Kaiser ist ein grandioser Gebirgsstock in den Tiroler Alpen, der sich in zwei Etappen per E-Bike umrunden lässt. Wer ein stabiles Herbst-Hoch erwischt, kann auf dieser Radtour alles erleben: Kaiserwetter, Kaiserpanorama und Kaiserschmarrn.

Bergstraßen sind immer dann besonders spannend, wenn sie hautnah an die Felsen heranführen. Wenn die Mächtigkeit der Berge im wahrsten Sinn des Wortes greifbar wird – wie im Kaiserbachtal.

Das Kaisergebirge rückt näher

Noch vor wenigen Kilometern war das Kaisergebirge nichts weiter als ein ferner Kamm, der eine gezackte Linie in den blauen Himmel zeichnet. Eine Kulisse hinter den sanft gewellten Almwiesen am Walchsee. Nun ragen die Felswände unmittelbar neben uns auf. So senkrecht, dass nicht einmal mein Weitwinkelobjektiv ihre Dimensionen einfangen kann. Wir bekommen Nackenschmerzen beim Versuch, die Gipfel zu erspähen. Ein Mautsträßchen führt von Griesenau hinein ins Herz des Kaisers – ausnahmsweise! Denn seit 1963 ist das gesamte Gebirge ein Naturschutzgebiet. Keine Seilbahn entweiht die erhabenen Gipfel, keine Straße überquert seinen Kamm. Nur Wanderer, Skitourengeher und Kletterer dürfen den Fels berühren. Die Dame an der Schranke winkt uns durch. Anfangs geht es fast ohne Steigung in diese andere Welt hinein. Von jetzt auf gleich sinkt die Temperatur um zehn Grad, denn spätestens ab Ende Oktober liegt der Talgrund fast ständig im Schatten. Erst im Frühjahr blinzelt die Sonne wieder über die bizarren Gipfel von Lärcheggspitze, Predigtstuhl und Totenkirchl hinweg. Kein Wunder, dass Skitourer im berühmten Griesner Kar ihre Schwünge bis weit in den Mai hinein in den Schnee zeichnen können. Ab der Fischbachalm sind wir dann doch froh, dass uns die E-Bike-Motoren auf den letzten Höhenmetern zum Ziel unterstützen. Lohn der Mühen: Die Griesner Alm bekommt um die Mittagszeit gerade noch etwas Sonne ab. Herrlich.

Verlagssonderveröffentlichung

Bildergalerie zur E-Bike-Tour rund um den Wilden Kaiser

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Foto: Matthias Rotter

Abstecher zum Walchsee

Rückblick: Am Morgen waren wir im geschäftigen Grenzstädtchen Kufstein gestartet. Hier zwängen sich Autobahn, Bundesstraße und Eisenbahn durch eine Engstelle im Inntal. Ein strategisch idealer Ort für eine Festung, auch wenn es im Mittelalter lediglich eine Handelsstraße entlang des Flusses gab. Kaum zu glauben, dass damals der gesamte Verkehr durch die wenige Meter schmale Römerhofgasse pulsierte. Doch so spürbar die Hektik in Kufstein ist, so schnell lassen wir sie auf der Radroute hinter uns. Erst einige Meter am Inn entlang, dann auf einem lauschigen Waldweg Richtung Niederndorf. Locker rollen heißt das Motto, denn bald warten die ersten Höhenmeter zum Walchsee hinauf. Eine herrliche Nebenstrecke führt vorbei an schmucken Bauernhöfen und dem idyllischen Hochmoor Schwemm. Und mit jedem Kilometer rückt auch das Kaisergebirge mehr ins Blickfeld, genauer gesagt sein Nordkamm. Denn schaut man sich die Topografie auf der Karte an, wird der Gebirgsstock durch das Kaisertal von Westen und das Kaiserbachtal von Osten her zweigeteilt. Bei unserer Rast am Walchsee ist es also der etwas weniger zerklüftete Zahme Kaiser, der uns in seinen Bann zieht. Wenngleich der kleine Bergsee als einer der wärmsten Seen Tirols gilt, ist es für ein Bad inzwischen zu frisch. Abseits der Bundesstraße Richtung Kössen führt die Radroute bald durch ein wunderschönes Hochtal, wo uns nur das Bimmeln der Kuhglocken begleitet. Um ins Kaiserbachtal zu gelangen, den unzweifelhaften Höhepunkt der Tour, verlassen wir bei Niederbichl die ausgeschilderte Kaiserradrunde nach Süden – und entdecken mit dem Bichlachweg eine nicht minder schöne Variante. Vorbei an Bilderbuch-Bauernhöfen schwingt sich der schmale Wirtschaftsweg durch hügeliges Almgebiet.

Zu Besuch beim Bergdoktor

Nach dem intensiven Felsen-Schauspiel im Kaiserbachtal geht die zweite Etappe wieder etwas auf Distanz zum Gebirge. Ein paar Anstiege tauchen dennoch im Profil auf. Zum Beispiel gleich nach dem Start in Sankt Johann, wo der Römerweg bald traumhafte Weitblicke eröffnet. Zum Glück außer Sicht- und Hörweite der berüchtigten B 178, wo der Ausflugsverkehr Richtung Kitzbühel rauscht. Auf unserer Nebenstrecke tut sich hinter jeder Kurve ein noch kitschigeres Bergdoktor-Panorama auf. Wer sich bei Vorabendsendungen auskennt, weiß, dass die Arztserie exakt in diesem Tal produziert wird. Wir rollen durch die bekannten Dörfer Going und Ellmau, die die Ruhe vor dem Sturm der Skifahrer zu genießen scheinen. In Scheffau kommen wir noch einmal in die Nähe der kaiserlichen Felsen. Die Steilrampen zum Hintersteiner See wollen hart erkämpft werden. Dank unserer E-Bikes gönnen wir uns den Abstecher, wohl darauf bedacht, nicht zu viel Akkuleistung zu verbraten. Denn bis Kufstein warten noch ein paar Wellen....

Die Panorama-Radrunde in zwei Etappen

Unsere Fahrrad-Tour im Wilden Kaiser folgt in Teilen der ausgeschilderten Kaiserradrunde (blaues Signet). Insgesamt ange­geben mit 83 Kilometern und 700 Höhenmetern. Mit unseren Varianten erhält die Umrundung jedoch eine sportlichere Note, gewürzt mit zahlreichen landschaft­lichen Extra-Highlights. Für die Abstecher ins Kaiserbachtal und zum Hintersteiner See ist ein E-Bike sehr zu empfehlen. Ein Großteil der Wege ist asphaltiert.

Wilder Kaiser-Tour Tag 1: Ins Herz des Kaisers

  • Länge der Tour: 56 Kilometer
  • Anstieg: 700 Höhenmeter
  • Maximale Steigung: 10 %

Nach einer nahezu flachen Einrollphase im Inntal wartet der lang gezogene Anstieg ins Walchsee Hochtal (130 Hm). Abseits der Hauptstraße umrundet man die sogenannte Schwemm (Moor) und den Walchsee (Bademöglichkeit). Während die Originalroute nun über Kössen durchs flache Tal der Großache nach Sankt Johann führt, hat der Bichlachweg zwar mehr Anstiege im Profil, bietet aber deutlich mehr fürs Auge. In Griesenau steht man vor der Entscheidung: entweder den Abstecher ins Kaiserbachtal auslassen und geradeaus direkt nach Sankt Johann rollen. Oder die 240 Höhenmeter zur Griesner Alm in Angriff nehmen und die beeindruckendste Kaiserkulisse der gesamten Runde genießen. Das Mautsträßchen zur Alm ist für Fahrräder gratis. Tipp für Radler ohne E-Unterstützung: Schon der Weg zur auf halber Strecke liegenden Fischbachalm lohnt sich!

Wilder Kaiser-Tour Tag 2: Platz an der Sonne

  • Länge der Tour: 42 Kilometer
  • Anstieg: 600 Höhenmeter
  • Maximale Steigung: 10 bzw. 16 % (Hintersteiner See)

Man darf nicht verschweigen, dass Sankt Johann auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist. Doch auf der Radroute lässt man die Hektik der Stadt schnell hinter sich. Die Route schlängelt sich auf einer aussichtsreichen Trasse entlang, weit oberhalb der Bundesstraße 178. Von der Südseite her präsentiert sich das Kaisergebirge in seiner Postkarten-Ansicht. Nach einer Abfahrt, vorbei an einem beliebten Badesee, passiert man die bekannten Wintersportorte Going und Ellmau. In Scheffau zweigt nach Wunsch die Stichstraße zum idyllischen Hintersteiner See ab (230 Hm). Landschaftlich ein weiteres Highlight, aber der Anstieg ist mit seinen bis zu 16 % steilen Rampen ohne E-Antrieb wirklich eine Herausforderung (Einkehr- und Bademöglichkeit am Seestüberl). Nach der Kletterpartie folgt das Finale nach Kufstein auf einer teils neu eröffneten Radtrasse.

GPS-Daten der Radtour

Sie können den GPX-Track zur Panorama-Runde um den Wilden Kaiser hier kostenlos herunterladen

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Reise-Infos: Etappentour um den Wilden Kaiser

Tourencharakter

Unsere Tour folgt in Teilen der ausgeschilderten Kaiserradrunde (blaues Signet). Insgesamt ange­geben mit 83 Kilometern und 700 Höhenmetern. Mit unseren Varianten erhält die Umrundung jedoch eine sportlichere Note, gewürzt mit zahlreichen landschaft­lichen Extra-Highlights. Für die Abstecher ins Kaiserbachtal und zum Hintersteiner See ist ein E-Bike sehr zu empfehlen. Alle Wege sind asphaltiert.

Anreise

Durchs Inntal führt mit der Brennerlinie eine der meistfrequentierten Bahnstrecken der Alpen. Der Bahnhof Kufstein ist zu fast jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Der Fahrradtransport ist reservierungspflichtig und in den üblichen Zugklassen problemlos möglich. www.bahn.de

Beste Reisezeit

Die Tour führt mit einer maximalen Höhe von rund 1.000 Metern zwar nicht in hochalpine Regionen. Aber die Region Kaisergebirge gilt als Schneeloch, sodass durchaus bis in den April hinein partiell Schnee liegen kann. Besonders auf dem schattigen Abstecher ins Kaiserbachtal! Der Herbst hingegen kann Sonne und milde Temperaturen bis weit in den Oktober hinein bringen. Wenn möglich, die Ferienmonate Juli und August meiden.

Unterkunft

Für Übernachtungen am Start- und Zielort findet man Infos auf www.kufstein.com.
Ziel Etappe 1: Die Marktgemeinde Sankt Johann liegt etwa auf halber Strecke der Runde. Der quirlige Ferienort bietet Unterkünfte aller Kategorien, von Campingplatz bis Wellnesshotel. Übersicht auf www.kitzbueheler-alpen.com

Radservice

Inn-Bike Kufstein, Tel. 0043/5372/63547, www.e-bikes4you.com
Bikezeit St. Johann i. T., Tel. 0043/5352/64288, www.bikezeit.at

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