Basiswissen

Biken im Winter: Gut geölt und auf Spikes

Sina Horsthemke

 · 21.02.2022

Biken im Winter: Gut geölt und auf SpikesFoto: Daniel Simon

Ein Rad, das nicht Winterschlaf halten muss, freut sich über zusätzliche Fett-Kuren gegen Streusalz. Spezielle Reifen machen es sicherer.

Auch das Fahrrad lässt sich winterfest und sicherer für Fahrten auf rutschigem Untergrund machen. So sollten abgefahrene Reifen mit wenig Profil spätestens im Herbst ausgetauscht werden. Ein weitverbreiteter Tipp ist, den Luftdruck im Reifen zu verringern, um die Auflagefläche zu vergrößern und so mehr Grip zu erreichen. Doch damit müsse man vorsichtig sein, mahnt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Viele fahren ohnehin schon mit eher wenig Luft im Reifen. Wer noch mehr rauslässt, sollte keinesfalls den Mindestdruck, der auf der Reifenflanke steht, unterschreiten – sonst nimmt der Reifen Schaden.“ Ein schlapperer Reifen führe zwar zu besserer Bodenhaftung, gleichzeitig aber auch zu einem größeren Rollwiderstand, weiß der Fahrradexperte: „Radfahren mit wenig Luftdruck ist spürbar anstrengender. Jeder muss selbst entscheiden, ob er das in Kauf nehmen will.“

Filippek rät, stattdessen spezielle Winterreifen aufzuziehen oder – in Regionen mit viel Schnee und Eis – sogar Reifen mit Spikes aus Metall. „Mit denen lässt sich selbst bei Glatteis sicher bremsen und durch Kurven fahren. Im Gegensatz zu Autos sind Spikes bei Fahrrädern erlaubt, da die Fahrbahn durch sie keinen Schaden nimmt“, weiß der ADFC-Experte. Nachteil: Auf Asphalt sind Spikes sehr laut, zudem erhöhen sie den Rollwiderstand erheblich. Winterreifen, die für Trekkingräder mit 26 oder 28 Zoll zu kaufen sind, beeinträchtigen das Fahrverhalten laut Filippek dagegen weniger: „Sie haben eine andere Gummimischung als herkömmliche Reifen und Lamellen. Dadurch bringen sie eine größere Fläche auf den Boden und geraten nicht so schnell ins Rutschen. Für Regionen, in denen der Winter etwas milder und eher selten Glatteis zu erwarten ist, sind sie gut geeignet.“

Winterbikes: Schutz für Mensch und Material

Nicht begeistert ist Filippek von dem viel gelesenen Tipp, bei Schnee und Eis den Sattel abzusenken, damit man schneller mit den Füßen den Boden erreicht, sobald das Rad ins Rutschen gerät: „Mit einem niedrigeren Sattel wird der Tritt ineffizienter und das Fahren anstrengender. Bei Vielfahrern kann die veränderte Position zudem richtig auf die Knie gehen.“ Für kurze Strecken kann diese Maßnahme aber eine Notlösung sein, wenn man sich damit sicherer fühlt.

Ein Fahrrad, das auch im Winter die Garage verlässt, sollte neben einer stets funktionierenden, guten Beleuchtung tiefgezogene Schutzbleche haben. „Schutzbleche sind von Werk aus eher kurz“, sagt Filippek. „Wer seine Schuhe vor Dreckspritzern schützen will, kann einen zusätzlichen Spritzschutz anbringen, wie man ihn oft bei Hollandrädern sieht.“ Ein Überzug, der den Sattel von Draußen-Fahrrädern vor der Witterung schützt, verhindert ein nasskaltes Gesäß. E-Bike-Fahrer sollten den temperaturempfindlichen Akku im Winter mit einer Schutzhülle aus Neopren isolieren und nach der Fahrt mit ins Warme nehmen. Wer dann noch die Scheinwerfer und Reflektoren regelmäßig mit einem feuchten Lappen abwischt, damit sie überhaupt reflektieren können, ist für die nächste Fahrt bereit.

  Mit einem verlängerten Schutzblech schütz man seine Schuhe auch bei schlechtem Wetter.Foto: Daniel Simon
Mit einem verlängerten Schutzblech schütz man seine Schuhe auch bei schlechtem Wetter.

Apropos Lappen: „Fährt man regelmäßig bei Sauwetter, muss man die beweglichen Teile viel öfter fetten als sonst, denn Streusalz und Metall vertragen sich nicht“, warnt ADFC-Experte Filippek. „Gerade eine komplett offene Kettenschaltung wird während der Fahrt von dieser salzigen Nässe regelrecht beschossen. Da können Vielfahrer auch mal zweimal täglich nachölen.“ Eine Nabenschaltung sei zwar besser geschützt, doch auch bei diesen Rädern sollten Winterfahrer die Kette regelmäßig durch einen Lappen laufen lassen und ölen, sagt Filippek. „Sobald man die Kette während der Fahrt hört, ist es Zeit dafür.“