Schnittfest12 Fahrradschläuche im Labor- und Praxistest

Stefan Frey

 · 18.01.2022

Schnittfest: 12 Fahrradschläuche im Labor- und PraxistestFoto: Daniel Simon

Hightech-Kunststoff soll den Fahrradschlauch revolutionieren. Polyurethan-Schläuche gegen klassische Gummis – ein aufwendiger Test klärt alle Fragen.

Wenn ER sich bemerkbar macht, haben Radler ein Pro­blem. Der Fahrradschlauch verrichtet seinen Dienst normalerweise unscheinbar im Verborgenen. Doch eigentlich ist er es, der das Rad am Laufen hält. Verliert er Luft, steht erst mal alles still. Die Schaltung? Nutzlos. Die Federung? Arbeitslos. Das System Fahrrad, ausgeknockt vom Pieks einer Dorne oder vom Schlag iner Gehwegkante. Tubeless-Systeme erhöhen zwar den Pannenschutz, sparen Gewicht und senken den Rollwiderstand. Doch diese Technik ist eher im Radsport verbreitet. Normalradler scheuen den Aufwand beim Umrüsten oder die Schweinerei, wenn trotz Dichtmilch ein Defekt auftritt und unterwegs ein Schlauch eingezogen werden muss.

Sind TPU-Schläuche besser als klassische Butyl-Fahrradschläuche?

Schläuche aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) sollen nun das althergebrachte Butyl ablösen und bei deutlich geringerem Gewicht nicht nur den Pannenschutz verbessern, sondern gleichzeitig den Rollwiderstand senken. Klar, dass so wegweisende Eigenschaften auch einen Nachteil mit sich bringen: TPU-Schläuche sind im Schnitt fast dreimal so teuer wie die Alternativen aus Butyl oder Latex. Lohnt sich die Investition? Das wollten die Kollegen unseres Schwestermagazins BIKE in aufwendigen Labor- und Praxistests herausfinden. Sie haben dafür je vier Leicht- und Standardschläuche mit vier TPU-Modellen verglichen. Auch wenn nicht alle diese Schläuche in Trekkingrad-Größen zu bekommen sind: Ein „29er“ ist nur ein breiter 28er-Reifen. Und das Angebot wächst unaufhaltsam.

Gänzlich neu sind Schläuche aus TPU nicht. Schon 2011 hatten wir einen Kunststoffschlauch von Eclipse im Test. Auch Tubolito bedient schon länger einen kleinen Kreis von leistungsorientierten Radsportlern und Tuning-Fetischisten. Doch nun wagt sich auch Schwalbe als erster großer Hersteller ins TPU-Segment und fertigt einen Schlauch aus dem Thermoplast Aerothan. Damit könnte die TPU-Welle so richtig ins Rollen kommen.

Gewichtsersparnis auf Kosten des Pannenschutzes?

Das Gewicht der Neuen ist auf Anhieb überzeugend. Mit gerade mal 43 Gramm wiegt der Tubolito S-MTB ganze 99 Gramm weniger als der leichteste Butyl-Schlauch. Und selbst mit dem 88 Gramm schweren Aerothan Tube spart man sich im Set noch immer über 100 Gramm. Auf dem Roll­widerstandsprüfstand ist die Sache nicht so eindeutig. Das schwerere Tubolito-Modell rollt nicht besser als ein Standardschlauch. Sein leichtes Pendant (S-MTB) und der Schwalbe landen knapp unter den Werten der leichten Butyl-Schläuche. Nur der 44 Gramm leichte Reveloop schafft es unter die 12-Watt-Marke. Doch der eigentliche Star beim Rollen ist der Latex-Schlauch von Vittoria. Dank seiner extrem flexi­blen Haut läuft er mit 11,2 Watt über vier Watt schneller als ein schwerer Freeride-Schlauch. Noch flotter sind Biker nur im Tubeless-Set-up unterwegs – um gut ein halbes Watt, wie der Vergleich im Schwalbe-Labor belegt. Dass die Unterschiede für den Fahrer aber nur schwer nachvollziehbar sind, zeigt unser Praxisexperiment. Im Blindtest konnte nur einer von drei Fahrern den Unterschied zwischen Tubeless, TPU- und Butyl-Schlauch korrekt zuweisen. Und auch beim Pannenschutz ist das Bild nicht ganz so klar. Vor Durchschlägen schützen die Kunststoffpellen im besten Fall so gut wie die schwächsten Butyl-Schläuche. Hier steigt die Schutzwirkung nahezu analog zur Wandstärke. Anders sieht die Sache bei „Stichwunden“ aus: Schwalbes Aerothan Tube und der Tubolito MTB halten extrem lange stand, bevor der Testdorn die Kunststoffhaut durchstößt. Kein anderer Schlauch erreicht annähernd deren Werte. Der leichte Tubolito und die dickwandigsten Butyl-Schläuche folgen mit großem Abstand.

Am Ende setzen sich der Aerothan Tube und der Tubolito MTB aus TPU locker an die Spitze des gesamten Testfeldes. In Summe sind sie klar die besseren Schläuche. Doch sind sie auch den hohen Preis wert? Wir sagen: Nur wenn Gewicht oder Rollwiderstand eine übergeordnete Rolle spielen, lohnt sich die Investi­tion. Wer darauf weniger Wert legt, kann sich für den Preis eines TPU-Schlauchs auch vier Exemplare unseres Preis-Leistungs-Siegers Michelin Air Stop MTB kaufen. Oder noch besser: auf Tubeless umrüsten – den wahren Sieger in Sachen Rollwiderstand und Pannenschutz.

  Beim Durchstichtest wird eine Kugel mit 1-Millimeter-Durchmesser auf den Schlauch gedrückt, bis das Material nachgibt.Foto: © Hersteller_
Beim Durchstichtest wird eine Kugel mit 1-Millimeter-Durchmesser auf den Schlauch gedrückt, bis das Material nachgibt.

Den kompletten Labor- und Praxistest der 12 Fahrradschläuche plus jede Menge Schlauchwissen aus MYBIKE 01/2022 können Sie unter dem Artikel kostenpflichtig als PDF herunterladen.

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TPU-Schläuche im Test

Leichtschläuche im Test

Standardschläuche im Test

Reveloop Reveloop.mtb ultra (TPU)
Foto: Georg Grieshaber

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