Riemen-AntriebSo hält der Gates-Riemen lange

Jochen Donner

 · 02.12.2022

Riemen-Antrieb: So hält der Gates-Riemen langeFoto: Hersteller
Ein gerissener Gates-Riemen

Unverwundbar ist ein Riemen-Antrieb nicht: Im schlimmsten Fall kann auch ein Gates Belt Drive reißen. Doch das passiert nur, wenn man grundlegende Fehler macht. Wie sieht also der richtige Umgang mit dem Riemen-Antrieb aus? MYBIKE hat 12 Tipps, wie der Riemen länger hält.

„Sein Fahrrad mit Gefühl zu benutzen schadet nicht“, bringt es Stefan Stiener, der Kopf hinter Velotraum, auf den Punkt. Er hat viel gesehen, gerade als Early Adopter in Sachen Gates. Defekte oder ein verschlissener Riemen-Antrieb kommen nun, nach zahllosen, harten Kilometern mit ihren Nutzern und Nutzerinnen, vermehrt zur Auffrischung oder Reparatur zu Velotraum direkt oder deren Händlernetzwerk zurück. „Bei den meisten Defekten an Zahnriemen und Riemenscheiben ist eine gewisse Unbedarftheit der Benutzer mit ursächlich“, lautet Stieners Erkenntnis. Dazu zählt etwa, wenn man mit Kraft weitertritt, obwohl ein Knirschen im Antrieb darauf hindeutet, dass sich ein Stein oder Ast zwischen Zahnrädern und Riemen verfangen hat. Oder, dass der ungeschützte Riemen seitlich einem starken Stoß ausgesetzt war. Das kann die längs verlaufenden, spröden Carbonstränge im Innern an- oder abbrechen lassen, sodass bei der nächsten Kraftspitze der Abriss droht. „Der Gates-Riemen ist im Grunde ein ungeschütztes Carbon-Bauteil, das im laufenden Betrieb permanent Gefahren ausgesetzt ist“, stellt Stiener fest.

Foto: MYBIKE
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Präventionsmaßnahmen zum Schutz vom Riemen-Antrieb

Das sieht auch Gerrit Gaastra so und bietet für den Gates-Riemen-Antrieb seiner Idworx-Bikes einen Schutzflügel für die vordere Riemenscheibe an. So gelangt weniger störender Schmutz zwischen Riemenzähne und -nut, Verschleiß und Abrieb verringern sich erheblich. Zudem sind dann die Hosenbeine sicher vor den aggressiven Zahnprofilen. Gates-Riemenscheiben sind außen zu den Riemenzähnen hin schräg gefast. So wird Schmutz beim Eingriff des Riemens ins Zahnrad nach unten aus den Zwischenräumen gedrückt. Steckt jedoch ein Fremdkörper im Antrieb fest, sollte man auf solche Geräuschentwicklung sofort reagieren und den Fuß vom Gas nehmen, um ernsthaften Schaden zu vermeiden. Ein Riemenrubbeln wiederum deutet auf Schräglauf hin, was ebenfalls schnellstmöglich behoben werden sollte. Damit ein Riemen-Antrieb möglichst lange hält und sicher funktioniert, ist es, bei aller Wartungsarmut, vorteilhaft, die MYBIKE-Tipps für einen langlebigen Riemen zu beherzigen.



12 Tipps zur Prävention von frühzeitigen Schäden

  1. Reinigen Sie die Centertrack-Nut regelmäßig mit einem Zahnstocher.
  2. Säubern Sie den Riemen-Antrieb, also Gates-Riemen und Zahnscheiben, mit Wasser und Spülmittel. Entfernen Sie im Winter alle Streusalzreste.
  3. Prüfen Sie gelegentlich die Riemenlinie: Die Zahnscheiben vorn und hinten müssen parallel zueinander in einer Flucht stehen, der Riemen darauf absolut gerade verlaufen. Schräglauf verursacht zuerst Geräusche, dann Verschleiß.
  4. Behalten Sie den Verschleiß im Auge: Längs- und Querrisse im Gates-Riemen oder abgebrochene Zähne deuten das Ende der Lebensdauer an.
  5. Abrieb an der blauen oder schwarzen Riemen-Innenseite tritt beim Einfahrprozess (erste 50 bis 150 Kilometer) auf und ist kein Verschleiß.
  6. Kontrollieren Sie gelegentlich die Riemenspannung: Per Daumendruck darf sich der Gates-Riemen bei korrekter Spannung mittig etwa 10 mm aus der Waagerechten eindrücken lassen. Ursachen für zu geringe Spannung können eine lockere Riemenscheibe, Ritzel, Exzenter bzw. Slider-Achsstück oder eine falsch eingesetzte Hinterrad-Achse sein.
  7. Zu hohe Riemenspannung schädigt die Lager an Kurbelwelle und Achse.
  8. Bei zu geringer Spannung kann der Riemen Zähne überspringen. Das schädigt die inneren Carbonfasern.
  9. Einmal im Jahr und vor großen Touren sollten Sie die Riemenspannung mit einem Messgerät prüfen lassen (Fachwerkstatt).
  10. Bei Riemenquietschen hilft die Anwendung von Silikon-Spray.
  11. Setzen Sie das Hinterrad beim Einbau immer mit aufgelegtem, leicht gespanntem Gates-Riemen ins Ausfallende.
  12. Pinion-Fahrer sollten auf langen Touren das Lockring-Tool von Pinion (etwa 33 Euro) im Gepäck haben: Der Schraubring der Riemenscheibe an der Kurbelwelle kann sich unter Umständen von selbst lockern, was sich dann nur mit dem Tool beheben lässt.

Neun Dinge, die Sie nie tun sollten...

  1. Nie scharfe Mittel oder scharfkantiges Werkzeug zum Reinigen benutzen.
  2. Nie länger mit zu geringer oder hoher Riemenspannung fahren.
  3. Seitliche Stöße, Schläge oder Knicke am Gates-Riemen vermeiden.
  4. Fahren Sie nie mit verstopfter Centertrack-Nut (Schmutz, Schnee, Eis) oder zugefrorenen Riemenscheiben los.
  5. Fahren Sie nie mit schräg laufendem Gates-Riemen oder losen Riemenscheiben.
  6. Bei plötzlichen Geräuschen aus dem Antrieb: Sofort anhalten, Ursache ermitteln und beseitigen.
  7. Fahren Sie einen verschlissenen Riemen mit abgebrochenen Zähnen, Rissen oder Löchern nicht weiter.
  8. Kurbeln Sie einen abgefallenen Riemen im Rahmen nie seitlich auf Riemenscheibe und Ritzel.
  9. Ein Ersatzriemen darf nicht gequetscht, verdreht oder geknickt werden. Sichern Sie ihn zum Transport unterwegs mit festem Karton.