Test: Fahrradanhänger

Einspurige Fahrradanhänger mit Vorteilen

  • Jörg Spaniol

Auf langen Touren sind Einspuranhänger den zweirädrigen überlegen. Vier Exemplare zeigen, was die Gattung kann – und was nicht.

Das gelbe Wimpelchen hätte es gar nicht gebraucht. Wer einen solchen Tieflader hinter sich herzieht, muss sich um die Aufmerksamkeit nicht sorgen. Gassi gehende Rentner und Kinder schiebende Mütter bleiben stehen, die Straßenfeger stützen sich kurz auf ihre Besen, als wir uns im eiskalten Park an die Grenzen der Einspuranhänger herantasten. In der Autobranche hieß das „Elchtest“: Aus schneller Fahrt ein scharfes Ausweichmanöver fahren, dann zurück auf die Gerade.

Etliche Runden später steht fest: Wenn die Nutzlast stimmt, sind die Einspurer üblichen Lastenanhängern in einigen Punkten überlegen. Sie folgen dem Rad spurtreu und mit Schräglage durch alle Kurven und rollen auch mit winzigen Rädern angenehm ruhig. Ihr tiefer Schwerpunkt und die beidseitige Befestigung an der Hinterradachse lassen sie im Tourenbetrieb souverän gleiten. Also die perfekte Lösung für Reiseradler? Nein – oder zumindest nicht für alle.
Schon das Einhängen eines beladenen Fahrradanhängers ist ohne Hilfe extrem schwierig, beim Schieben, Rangieren und Parken lauern neue Probleme. Auf dem Hinterbauständer parken? Rückwärts rausschieben? Lieber nicht, das geht mit zweirädrigen Hängern viel besser. Und auf Reisen spricht vieles für die klassische Methode mit zwei am Rahmen montierten Gepäckträgern: mit den durchschnittlich sechs bis sieben Kilo Mehrgewicht eines Anhängers tritt es sich bergauf unnötig zäh. Auch 30 Kilo Reisegepäck – und das ist selbst mit Campingausrüstung sehr viel – lassen sich auf einem steifen Reiserad mit guten Trägern fast immer leichter transportieren.

Doch für vier Radlertypen sind die Einspurer ein Segen: Familien mit kleinen Kindern bekommen so ihr ganzes Gepäck an die Erwachsenenräder. Tandems haben endlich mehr als zwei Gepäckträger. Räder, die sich nicht für die Gepäckträgermontage eignen (vollgefederte Mountainbikes, Rennräder…), werden mit Fahrradanhänger tourentauglich. Und Expeditionsradler, die kanisterweise Wasser mitzerren, sehen so der Wüste entspannter entgegen.
Was die Hersteller erstmals vor etwa 20 Jahren für diese engagierten Radlertypen entwickelt haben, sieht höchstens auf den ersten Blick gleich aus. Alle vier Modelle haben die Befestigung auf Höhe der Hinterradnabe gemeinsam, doch schon hier gibt es im Detail große Unterschiede: bei Bob und Extrawheel sind die Enden einer speziellen Schnellspannachse die übliche Aufnahme, beide bieten auch Spezialmuttern für verschiedene Vollachsen an. Topeak und Weber setzen nicht direkt dort an, sondern verlagern die Verbindung ein paar Zentimeter nach hinten. Das funktioniert bei planen, flächigen Ausfallenden wunderbar, doch bei räumlich geschmiedeten Ausfallern manchmal nur mit Improvisationstalent – unbedingt mit dem Rad beim Händler ausprobieren.
Auch bei der angegebenen Nutzlast ist die Spanne groß. Sie reicht von 32 Kilo bei Bob und Topeak bis hinunter zu 15 Kilo bei Weber (auf grobem Untergrund). Unsere Praxiserfahrungen sprechen dafür, diese Höchstlasten deutlich zu unterschreiten, wenn das Tempo die allgemein angegebene Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h überschreiten kann oder die Strecke einen dynamischen Fahrstil erfordert. So wurde ein Tester fast vom schwer beladenen Fahrradanhänger von der Straße geschoben, als er in einer engen Schotterkurve bremsen musste – die Anhänger sind schließlich ungebremst.

Am Ende der Testrunden steht aufgrund des breiten Einsatzspektrums kein definitiver Testsieger, sondern eine Zuordnung der Anhänger zu bestimmten Nutzerprofilen. Sowohl das Extrawheel als auch der Topeak haben sich technisch und fahrpraktisch ein „sehr gut“ verdient – aber für völlig unterschiedliche Einsatzbereiche.

Den Artikel aus Ausgabe 2/2014 in voller Länge erhalten Sie als gratis PDF-Download.

Schlagwörter: Fahrradanhänger Test

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