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Test: Helme mit MIPS-System

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  • Jörg Spaniol

Schwedische Forscher haben das „Multidirectional Impact Protection System“ (MIPS) entwickelt. Das 20 Gramm leichte Extra soll im Helminneren gleiten und so viele Sportarten sicherer machen.

Gute Geschichten fangen so an wie diejenige des "Multidrectional Impact Protection Systems" (MIPS): Ein schwedischer Neurochirurg namens Hans van Holst soll 1997 unter dem Eindruck vieler Kopfverletzungen in seinem Krankenhaus beschlossen haben, Sportlerköpfe künftig besser zu schützen. Er forschte mit einem Kollegen zehn Jahre, was den Eishockeyspielern, Reitern, Footballspielern und Bikern schwere Verletzungen ersparen könnte – und kam darauf, dass die Drehkräfte durch die existierenden Helme zu wenig abgebaut würden. Nach vielen Umwegen entstand MIPS. 20 Gramm Kunststofffolie, Gleitpads und elas­tische Bänder, die während der Helmherstellung eingearbeitet werden und die Rotationen beim Aufprall lindern sollen. Dieses System kaufen die Helmhersteller zu, so wie Autohersteller Sicherheitsgurte einkaufen oder Computerhersteller die Chips ihrer Rechner. Über 20 Helmhersteller verschiedenster Segmente sollen MIPS mittlerweile im Angebot haben. Eine Erfolgsstory.

Helme mit MIPS-System

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Was die MIPS-Erfinder beobachtet haben, ist auch kaum zu leugnen: Stürze wie mit dem Fahrrad erzeugen beim Aufprall oft Kräfte in mehrere Richtungen. Typischerweise kommen Erdanziehung und Vorwärtsbewegung zusammen, der Kopf schlägt nicht einfach senkrecht auf. Die Vorwärtsbewegung überträgt sich per Schädel und Halswirbelsäule in den Körper – gesund ist das nicht, und es wird umso schädlicher, je mehr sich Helm und Untergrund miteinander verzahnen.
Die Hersteller von Radhelmen haben sich mit diesem Schadensbild schon einmal auseinandergesetzt: Die ersten Hartschaum-Radhelme hatten textile Überzieher, eine Art Badekappe. Bei einem Aufprall rutschten diese kaum über den Asphalt, sondern bremsten den Kopf stark ab. Deshalb gibt es diesen Helmtyp nicht mehr. Die dünnen Hartschalen auf modernen Radhelmen gleiten deutlich besser am Boden ab und reduzieren so die Querkräfte. Bei Mountain­bikern im groben Gelände oder gar bei Reitern in weichem Boden sind diese Stopps jedoch weiterhin rabiat.
Wie stark der Anteil der Rotation an den Kopfverletzungen ist, und wie sehr diese durch die zusätzliche Gleitfolie im Helm gemindert werden kann, ist längst nicht klar (siehe Interview nächste Seite). Tests von Herstellerseite sollen die Wirkung beweisen, doch unabhängige Untersuchungen mit gesicherter Praxisrelevanz stehen noch aus. Und so ist MIPS für die Verbraucher derzeit ein etwa 20 Gramm schweres und 20 Euro teures Extra am Radhelm, das zumindest niemand für schädlich hält. Auch die Hersteller sehen die Sache offenbar noch unentschieden: Die meisten unserer Testhelme kann man mit und ohne MIPS kaufen.


Der gesamte Helm-Test stand in Trekkingbike-Ausgabe 3/2015.


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Themen: FahrradhelmeMIPS-SystemTest

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