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Test: Fahrradhelme

Günstige Lebensretter

  • Stefan Frey

Der Fahrradhelm ist das Schutzschild des Radfahrers. So manch einer hat ihm sein Leben zu verdanken. 12 Helm­modelle bis 120 Euro mussten im TÜV-Test ihre Qualitäten als Superhelden unter Beweis stellen.

Wer am Ende des Tages auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen will, muss voll auf Risiko gehen. Dabei verschwimmt nicht selten die Grenze des persönlichen Könnens mit Selbstüberschätzung. Zahlreiche Stürze, egal ob bei Profi- oder Hobby-Radsportlern, belegen das. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie übel ein Abgang im Renntempo ohne entsprechenden Kopfschutz ausgehen könnte. Deshalb sollte die zerborstene Styropor-Schale einen Ehrenplatz in der Pokalsammlung verdienen – sie könnte Ihnen das Leben gerettet haben.
Damit ein Helm aber überhaupt schützen darf, muss er erst mal eine Normprüfung durchlaufen. Die Europäische Norm 1078 überprüft die Stoßdämpfungseigenschaften eines Helms. Dabei darf ein Wert von 250 g nicht überschritten werden. Die g-Kraft bezeichnet die durch die Beschleunigung auftretende Belas­tung.

Die Normprüfung haben alle Modelle im Test abgelegt und bestanden, aber: Nicht jeder Helm schützt gleich gut. Um die durchaus relevanten Unterschiede herauszufiltern, haben wir 13 Touren-Helme mit Preisen bis maximal 120 Euro zum Crashtest beim TÜV Rheinland geladen.

Dort müssen die Helme zwei Kriterien bestehen: Zuerst schlägt der Helm auf einen flachen, danach auf einen keilförmigen Amboss, der eine Bordsteinkante simuliert. Zur Messung wird ein spezieller Prüfkopf mit Messtechnik bestückt. Die Kandidaten werden auf eine definierte Höhe gezogen und rauschen mit 5,47 beziehungsweise 4,6 Metern pro Sekunde auf das Hindernis zu. Aufs Radfahren übertragen erscheint das erst mal verhältnismäßig langsam, aber Stephan Andreae vom TÜV relativiert: "Stellen Sie sich vor, Sie prallen mit fast 20 km/h frontal gegen eine Wand. Die Folgen wären fatal."

Die Fahrradhelme im Test:

12 Bilder

Erstaunlich dabei: Die Norm schreibt einen oberen Grenzwert von maximal 250 g vor. Zum Vergleich: In einer Achterbahn ist der Mensch normalerweise maximal 6 g oder der sechsfachen Erdanziehungskraft ausgesetzt. Die Unfallforschung geht davon aus, dass bereits ab 80 g schwere Gehirnerschütterungen oder Kopfverletzungen auftreten können. Wieso ist der Wert dennoch so hoch? Eine entscheidende Rolle spielt der Zeitfaktor. Im Falle eines Sturzes ist der Kopf, wie der Test zeigt, meist nur weniger als fünf Millisekunden den schädlichen Kräften ausgesetzt. Einiges davon kann noch vom Körper oder aufgrund der schwimmenden Lagerung unseres Gehirns abgefangen werden.

Dennoch sollte das Ziel bei der Entwicklung eines Helmes immer sein, die auftretenden Kräfte möglichst gering zu halten. Eine große Rolle spielt dabei das Grundmaterial. Der Helm dämpft den Schlag, indem sich sein Styroporschaum (EPS) verformt. Somit wird die Energie auf eine möglichst große Fläche verteilt. Meist dämpft ein etwas weicherer Schaum Stöße effektiver als ein härteres Material. Dabei läuft man allerdings Gefahr, dass beim Aufschlag ein Hindernis eventuell leichter durch die Helmschale dringen könnte. Die richtige Mischung erfordert vom Hersteller viel Erfahrung und Know-how. Besonders kritische Bereiche stellen große Belüftungsöffnungen und schmale Verbindungsstege dar. Der Prüfer wird daher immer versuchen, die aus Erfahrung schwächsten Bereiche am Helm zu prüfen. Einem nahezu geschlossenen Helm mit umlaufender Schale bereitet die Norm dabei kaum Probleme. Modelle wie Bell, Mavic oder Specialized hätten die Prüfer guten Gewissens einfach durchwinken können. Was jedoch nicht gleichzeitig bedeutet, dass diese Modelle ein besonders gutes Dämpfungsverhalten an den Tag legen.

Die wirkliche Kunst für die Hersteller liegt darin, einen leichten, gut belüfteten und dennoch sicheren Helm zu konstruieren. Bontrager scheint das mit dem Circuit gelungen zu sein. Mit einem Wert von 144 g erzielt er mit einem Abstand von 13-g-Punkten den besten Wert beim flachen Schlag. Aber auch beim Bordsteinkantentest dämpft er sich mit 83 g an die Spitze der Wertung. Erstaunlich, dass er den Kopf dennoch großflächig mit Frischluft versorgt. Nur Northwave, Uvex und Bell können hier annähernd mithalten und erzielen Werte bis 165 g. Giro, Mavic und Specialized liegen zwar mit Werten zwischen 190 und 213 g noch deutlich innerhalb der Norm. Schläge leiten sie aber wesentlich stärker weiter als ihre Kontrahenten.

Auch nach einem schweren Sturz weisen übrigens nicht immer Risse oder Bruchstellen direkt auf Beschädigungen hin. Der EPS-Schaum hat sich dennoch verformt und kann somit nicht mehr optimal schützen. Damit hat der Helm sein Soll erfüllt und sich einen Ehrenplatz in der Trophäensammlung verdient.


Den Artikel aus Ausgabe 1/2015 in voller Länge erhalten Sie als kostenlosen PDF-Download.

Themen: FahrradhelmeTest

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