Wenn der Wind weht... Wenn der Wind weht... Wenn der Wind weht...

Kaufberatung Windwesten

Wenn der Wind weht...

  • Armin Herb

Windwesten schützen Radfahrer vor Auskühlung. MYBIKE hat 15 Modelle unter die Lupe genommen – darunter auch warme für die Übergangszeit im Frühjahr und Herbst.

Viele Radfahrer kennen die Situation: Nach einer schweißtreibenden Auffahrt folgt eine lange, frische Abfahrt. Wer dabei nicht aufpasst, holt sich leicht eine Erkältung im kühlen Fahrtwind. Nicht mal 60 Gramm Stoff können dem ungesunden Auskühlen – zumindest im Sommer – entgegenwirken. Knapp unter 60 Gramm wiegen nämlich die leichtesten Windwesten, wie etwa die Gore Ambient Vest und die nur unwesentlich schwerere Protective P-Ride. Beide lassen sich selbst in der kleinsten Tasche verstauen. Natürlich haben nicht nur Berg- und Küstenradler eine Weste im Gepäck. Windwesten leisten z. B. auch gute Dienste am frühen Morgen oder am Abend, wenn die Temperaturen noch deutlich niedriger liegen als tagsüber.

Diese Windwesten haben wir getestet

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„Wind ist immer dann gefährlich, wenn er auf eine schweißnasse Haut trifft, die durch Anstrengung überhitzt ist. Empfindliche Zonen am Körper für den abkühlenden Windeffekt sind dabei vor allem der Brustbereich, der Nacken und die Stirn. Hier kann es leicht zu Verkühlungen oder Verspannungen kommen. Langes Einwirken von kühlendem Wind, vor allem beim Bergabfahren, kann dann auch zu Entzündungen, sogar zu Lungenentzündungen führen. Eine Windweste ist dabei für viele Radfahrer eine Frage der Philosophie: Sie hilft bergab quasi immer, in der Ebene je nach Situation, aber bergauf ist sie eher kontraproduktiv, d. h. sie stört dann die Temperaturregulation des Körpers.“
Prof. Dr. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln


Das MYBIKE-Team hat bei seinem Test zwei unterschiedliche Kategorien von Windwesten geprüft: zum einen die schon erwähnten, leichten und klein verstaubaren Modelle sowie die spürbar dickeren Westen entweder mit Softshell-Material oder wärmender Isolation, z. B. mit Primaloft-Wattierung. Diese leisten auch in der Übergangszeit im Frühling und Herbst bei Temperaturen von kühlen fünf bis 15 Grad gute Dienste.

Ein positiver Aspekt vorneweg: Die wichtigste Funktion, den Schutz des Oberkörpers vor kaltem Fahrtwind, erfüllen alle Westen – ob federleicht oder warm und robust – gut bis sehr gut. Allerdings empfiehlt sich quasi bei allen Modellen vor dem Kauf eine Anprobe. Der Grund: Die meisten Westen sind relativ körpernah geschnitten. Und da sicher nicht alle Rad­fahrer die sportlich-schlanke Figur eines durchtrainierten Rennradlers haben, spannt die Weste in der gewohnten Größe unter Umständen zu sehr am Oberkörper. Dann hilft es oft, einfach eine Nummer größer zu wählen.

Zudem sollte man bei der Anprobe auf folgende Details achten: In erster Linie muss das Material im vorderen Bereich des Oberkörpers wind-dicht sein. Die Weste muss darüber hinaus so designt sein, dass der Wind auch am Kragen, an den Arm­ausschnitten und durch den Reißverschluss abgeschirmt wird. Das heißt, an diesen neuralgischen Stellen sollte die Weste verhältnismäßig eng anliegen und der Reißverschluss möglichst komplett hinterlegt sein.

Also gilt in der Praxis: Die Weste darf nicht zu eng, aber auch nicht zu weit ausfallen. Denn in zu weiten Westen zirkuliert der Wind, und das Material fängt an, zu flattern, was nicht nur auf längeren Abfahrten ganz schön nerven kann. Apropos Konfektionsgröße: Nicht nur Sportler fahren Fahrrad. Aus diesem Grund haben Hersteller wie Gonso, Protective und Löffler ein sehr weit gefasstes Größenangebot von S bis 6XL bzw. 48 bis 66 im Programm.

Ein weiterer Aspekt ist die Atmungsaktivität. Damit man beim Radfahren mit winddichter Membran nicht überhitzt, haben die Hersteller am Rücken und zum Teil an der Seite luftiges Mesh-Material eingesetzt. Bei den wärmeren Modellen erfolgt die Belüftung mit-tels dehnbarer Elasthan-Einsätze. Das Thema Sicherheit durch Sichtbarkeit, insbesondere in der Dunkelheit und bei schlechtem Wetter, kommt leider bei fast allen Westen etwas zu kurz – außer sie sind komplett in Signalfarben wie Neongelb oder Neongrün gehalten. Die Hersteller verweisen zwar auf Reflektoren, aber die haben aufgrund ihrer minimalen Größe meist nur eine Alibifunktion, vor allem, wenn die Weste noch eine dunkle Farbe hat. Da darf man heutzutage etwas mehr erwarten.

Ansichtssache

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Ansichtssache

Armin Herb MYBIKE-Redaktion:

Ohne Weste geht es bei mir nie auf Radtour – auch nicht im Sommer. Das leichte, klein komprimierbare Kleidungsstück findet überall im Rucksack, in der Lenkertasche oder ggf. sogar im Satteltäschchen einen Platz. Der Grund: Nicht nur sportliche Radler kommen leicht mal ins Schwitzen. Dann hilft die Weste schnell und einfach vor Auskühlung, vor allem, wenn eine Abfahrt bevorsteht. Denn die Weste schützt gerade den empfind­lichen Brust- und Halsbereich und beugt so einer Erkältung oder Schlimmerem vor. Eine Jacke würde sicherlich auch helfen, aber die ist dann oft zu warm und zu schwer und nimmt zu viel Platz in Anspruch im Gepäck.

Barbara Merz-Weigandt Chefredakteurin MYBIKE:

Ich greife immer lieber gleich zu einer leichten, winddichten und wasserabweisenden Jacke. Aus Platz- und Gewichtsgründen kann ich mir so ein Teil im Tourengepäck sparen. Mittlerweile gibt es superleichte Isolationsjacken, die ebenfalls klein verpackbar und gut verstaubar sind. Da ich sehr leicht friere und sich auch meine Unterarme schnell in Eiszapfen verwandeln, kommt diese Jacke immer zum Einsatz auf längeren Abfahrten oder wärmt mich bei der Kaffeepause wieder auf.


Kleine Materialkunde

Das Grundmaterial für Fahrrad-Windwesten besteht in den meisten Fällen aus synthetischen Stoffen, d. h. Fasern und Membranen aus Polyester und Polyamid (Nylon, Elasthan). Der Grund: Diese Kunststofffasern sind relativ leicht, aber trotzdem reißfest, und sie nehmen auch wenig Feuchtigkeit auf. Zudem können sie preisgünstig hergestellt werden. Um etwas nachhaltiger zu sein, verwenden die Textilproduzenten mittlerweile immer mehr recyceltes Polyester und Polyamid. Man könnte zwar Naturfasern, wie z. B. Baumwolle und Wolle, auch sehr engmaschig verarbeiten und damit mehr oder weniger Winddichtigkeit erreichen. Allerdings wären diese Westen dann deutlich schwerer, feuchtigkeitsempfindlicher und hätten ein größeres Packvolumen – und wären zudem wohl auch merklich teurer in der Herstellung.


Den kompletten Vergleichstest der Windwesten aus MYBIKE 4/2021 inkl. aller Einzelbewertungen können Sie unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

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Themen: Windwesten

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