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Im Test: Packtaschen

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  • Daniel Simon

Reiseradler verbindet eine innige Beziehung zu ihren Packtaschen, die den mobilen Hausstand beherbergen. MYBIKE hat acht Packtaschen getestet.

Wer noch nie mit dem Rad auf großer Fahrt war, mag sich wundern, warum es auf dem Markt so viele und so viele verschiedene Gepäcktaschen gibt. Wer jedoch tage- oder gar wochenlang seinen mobilen Hausstand sicher und wasserdicht verwahrt wissen möchte, jeden Morgen und jeden Abend alles einpackt, auspackt, die Taschen am Rad anbringt und abnimmt, lernt schnell: Die Details machen auch hier den Unterschied, ob die Beziehung zur Packtasche vertrauensvoll und harmonisch verläuft oder nach ständigem Ärger über Kleinigkeiten in Scheidung und Neukauf mündet. Unser Test zeigt, dass sich jahrelange Weiterentwicklung bis in kleinste Details für den Nutzer letztlich auszahlt.

Wasserdicht?

Auf dem Papier bescheinigen alle Hersteller ihren Packtaschen, wasserdicht zu sein. Für die verwendeten Materialien als solche gilt das auch weitgehend, und sofern die Gewebe an den Nähten heiß geklebt werden, sind die Taschen dicht. Die eigentlich wasserdichten Stoffe von Basil und Brooks beispielsweise sind aber genäht, und über die Nahtstellen kann Feuchtigkeit ins Innere eindringen. Für Schlechtwetterfahrten sollte man beide Produkte mit Regenhüllen ausstatten oder zumindest den Tascheninhalt zusätzlich wasserdicht verpacken.

Material

Das landläufig auch als „Lkw-Plane“ bezeichnete Kunststoffmaterial – häufig Polyurethan, Polyamid und Polyester –, wie es fünf der Hersteller im Test verwenden, hat den Vorteil, dass es sehr robust sowie einfach zu pflegen und sauber zu halten ist. Das leichte Polyamidgewebe der Vaude-Tasche ist auch gut zu reinigen, das Baumwollmischgewebe der Brooks-Tasche ist empfindlicher gegen Beschädigungen und Schmutz und verlangt mehr Sorgfalt. Die Tasche von Basil ist für ihre Zweitfunktion als Rucksack an der Partie mit Mesh-Material gepolstert, die dann am Rücken anliegt. Wenn sich die bei einer vorangegangenen Regenfahrt mit Wasser vollgesogen hat, ist das allerdings nicht angenehm.

Befestigungssysteme

Ortlieb und Vaude, die ihre Taschen ausschließlich in Deutschland produzieren, setzen den Maßstab mit ausgeklügelten Eigenentwicklungen. Davon profitiert auch Brooks in Form des Quick-Lock-2-Systems von Ortlieb. Die originalen Ortlieb-Taschen verwenden das weiterentwickelte Quick-Lock-2.1-System. Die Haken sind mit weicheren Materialien versehen, um die Gepäckträger an den Kontaktstellen möglichst nicht zu zerkratzen. Ein sinnvolles Detail, da immer mehr Hersteller die Gepäckträger ihrer Räder farbig lackieren. Der Befestigungsmechanismus von Vaude ist noch einen Tick ausgefeilter, das Verstellen mit den Drehrädchen und auch das Einhängen gehen noch ein bisschen leichter von der Hand.

Diese Packtaschen haben wir getestet

7 Bilder

Thule setzt sein eigenes Clip-System ein, das einfach zu bedienen ist und mithilfe eines Stiftes verstellt werden kann. Ärgerlich ist hier nur, dass der komplette Drehhaken getauscht und als Ersatzteil bestellt werden muss, wenn die Gepäckträgerstrebe mehr als zehn Millimeter aufweist. Die Systeme von Klickfix (Haberland) sowie Rixen & Kaul (M-Wave, Decathlon) müssen mit Schraubenschlüssel verstellt werden; die unteren Haken können nur horizontal verschoben werden, was die Anpassung an schräg verlaufende Streben schwierig macht. Basil fesselt die Tasche mit einem flachen Klettriemen an die Trägerstrebe, was aber so umständlich ist, dass man die Tasche für kurze Strecken und im Alltag lieber nur als Rucksack nutzt. Die Haken verschwinden dazu unter einer weichen Reißverschluss-Abdeckung.

Fazit

Die leichte Decathlon-Tasche ist ein zuverlässiger Begleiter zum günstigen Preis. Die teure Brooks-Tasche dürfte in erster Linie ein Fall für Liebhaber sein, während Vaude eindrucksvoll belegt, dass auch bei einem vermeintlich so einfachen und ausentwickelten Produkt wie einer Fahrradpacktasche noch beträchtliches Potenzial besteht, um neue Ideen zu verwirklichen. Bei den klassischen Planentaschen sind die Preisunterschiede so gering, dass man außer geschmacklicher Vorlieben kaum ein Argument findet, nicht zum Top-Produkt zu greifen. Und das kommt, beim momentanen Stand der Entwicklung, von Ortlieb.


Den kompletten Vergleichstest der acht Packtaschen können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

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Schlagwörter: Packtaschen Radreise Test

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