Service: Ausrüstungspflege

Profi-Tipps für Jacken, Helme, Schuhe, Rucksack

  • Jörg Spaniol

Je Hightech, desto kompliziert? Radklamotten und Zubehör bestehen aus hochentwickelten Kunstfasern. Nur mit der richtigen Pflege bringen sie volle Leistung. Fünf Tipps für Problemfälle.

Regenkleidung

Bei Kleidung mit wasserdichten Membranen und Beschichtungen kommt es auf die richtige Waschhäufigkeit an: Wasche ich sie zu selten, bedeuten Salze und Fette den schleichenden Tod fürs Material. Das geht bis hin zur Ablösung der Nahtbänder und der Delaminierung des Stoffs. Kragenspeck ist ein Zeichen, dass die Jacke dringend in die Maschine sollte. Andererseits stresst zu häufiges Waschen auch das Material. Wer die Jacke nach jeder Tour in die Maschine steckt, tut zu viel des Guten. Die üblichen Erd- und Schlammspritzer wäscht man besser einfach in der Dusche ab. In die Waschmaschine gehört kein Waschpulver, sondern Flüssigwaschmittel. Spezialwaschmittel für solche Textilien sind noch besser als normale Flüssigwaschmittel, weil sie rückstandsarm ausgewaschen werden, ohne störende Öle, Enzyme, Bleichmittel im Stoff zu hinterlassen. Außerdem darf die Maschine höchstens mit vier- bis sechshundert Umdrehungen kurz anschleudern, dann die Jacke tropfnass aufhängen. Das Wasser kommt ja nicht durch den Stoff nach außen und zerrt bei 1200 Umdrehungen mit ziemlicher Wucht an Fläche und Nähten. Bei hartnäckigen Flecken wie Kettenöl wäre ich mit Lösungsmitteln sehr vorsichtig. Es ist besser, die Stelle mit dem konzentrierten Flüssigwaschmittel einzureiben und vor dem Waschen einwirken zu lassen.

Tu das nicht!
Weichspüler und Imprägnierungen zum Einwaschen stören das Feuchtigkeitsmanagement.

Guido Augustiniak, Fibertec-Spezialwaschmittel

Schuhe

In manchen Radschuhen hat man Stinkfüße, in anderen nicht – bei welchen das passiert, ist im Laden kaum vorherzusagen. Auch der Preis liefert keine Anhaltspunkte. Bike-Schuhe sind eben, genau wie die Socken, fast immer aus Kunstfasern. Dort siedeln sich die Bakterien auf glatten Oberflächen leicht an und zersetzen den Schweiß. Diese Zersetzungsprodukte riecht man.
Wenn ein bestimmter Schuh dieses Problem hat, kann man das Bakterienwachstum mit mehreren Maßnahmen in Schach halten. Ganz wichtig ist, die Schuhe gleich nach dem Radeln gut zu trocknen und zu lüften. Auch eine gelegentliche Reinigung von Schuh und Einlegesohle mit Bürste und Seifenlauge schadet nicht. Hausmittel wie Deo-Spray oder die vorübergehende Lagerung im Gefrierfach helfen höchstens kurzfristig. Ein Desinfektions-Spray wirkt zwar gegen die Bakterien, doch es könnte den Schuh chemisch angreifen. Am wirksamsten dürfte daher die Prävention über andere Materialien sein: Wollsocken binden Gerüche wesentlich besser als Kunstfasern, und Socken sowie Einlegesohlen mit Silberanteil verringern den Bakterienbesatz deutlich. Auch Aktivkohle-Einlegesohlen funktionieren, aber eben nur unter dem Fuß und bis zur Sättigung. Dann muss man sie austauschen.

Dr. Jan Behringer, Hohenstein Institute

Trikots und Hosen

Trikots und Hosen werden zu Hause mit normalem Waschmittel sauber, für Problemflecken gibt es gut funktionierende Fleckentferner. Aber für unterwegs habe ich einen Tipp, wie man die im Hotel-Waschbecken saubergerubbelten Klamotten schnell trocken bekommt: ein Handtuch ausbreiten, die gewaschene Hose oder das Trikot drauf ausbreiten. Dann beides zusammen zu einer Wurst rollen und kräftig ausdrücken. Das hat zwei Vorteile: Das unelastische Handtuch verhindert, dass bei elastischen Stoffen, vor allem bei engen Radhosen mit Sitzpolster, die Nähte reißen, wie es beim einfachen Auswringen passieren kann. Gleichzeitig nimmt das Handtuch den größten Teil der Feuchtigkeit auf. Der Rest verdampft über Nacht.

Jörg Spaniol, TREKKINGBIKE-Redaktion

Helme

Wenn die Riemen schmuddelig sind, weicht man sie am besten über Nacht in einer Schüssel mit Seifenwasser ein, Gallseife hat sich bewährt. Dann lässt sich das gut rausreiben. Die Polster werfe ich dazu oder gebe sie in einem Stoffbeutel oder einer zugeknoteten Socke bei 40 Grad mit in die Waschmaschine. Vor allem Polster mit offenen Kanten halten so geschützt wesentlich länger. Die Helmschale ist leicht mit Seifenwasser zu reinigen. Rückstände von Aufklebern sind die einzige Ausnahme. Generell raten wir von Aufklebern ab, wegen der Lösungsmittel in den Klebstoffen, die den Helm angreifen könnten. Ich selbst habe aber als Triathlet immer wieder Papieraufkleber mit der Startnummer auf dem Helm. Benzin oder Spiritus sind aus Sicherheitsgründen tabu. Mit verdünntem Fensterputzmittel kam ich bisher ganz gut klar.

Tu das nicht!
Achtung beim Autotransport: Auf der Hutablage oder hinter der Windschutzscheibe wird es im Sommer definitiv zu heiß fürs Material.

Kai Schulz, Uvex

Rucksäcke

Wir empfehlen grundsätzlich, Rucksäcke mit der Hand zu waschen, mit warmer Seifenlauge und einer Bürste. Wenn die Bürste viel grober ist als eine Nagelbürste, kann sie das äußere Material aufrauen, aber das ist nicht weiter schlimm. Härtere Maßnahmen wie Dampfstrahler oder Waschmaschine greifen die Beschichtung auf der Innenseite an, ein Trockner kann den Schaumstoff schädigen.
Auch Lösungsmittel kann ich nicht empfehlen: Ein Rucksack besteht aus verschiedenen Chemiewerkstoffen. Riemen, Polster, Packsack – alles sind spezielle Materialien. Was der Packsack aushält, kann die Riemen angreifen und umgekehrt. Kettenschmiere, etwa vom Verladen in die Bahn, setzt sich so tief in die Faser, dass sie nicht mehr sinnvoll zu entfernen ist. Sorry, aber es ist einfach so: Lieber etwas dreckig als undicht!

Tu das nicht!
Wer seinen Rucksack killen will, nimmt Aceton gegen Flecken. Das löst die Kunstfasern auf!

Miguel Tiblas, Deuter

Schlagwörter: Ausrüstungspflege Pflege-Tipps

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    15.10.2013