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Reifentest: die besten Reifen für Alltag, Tour und Reise

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  • Robert Kühnen

Fahrradreifen sollen leicht rollen, gut haften und nie die Luft verlieren. Der Vergleichstest von elf Reifen zwischen 38 und 50 Millimeter Breite klärt, welcher für Alltag, Touren und Reise der beste ist.

Was wissen Sie über die Reifen an Ihrem Rad? Wenig? Nichts? Egal! Lassen Sie sich überraschen, wie viel Technik unter den unscheinbaren schwarzen Gummis steckt. Zunächst: Reifen ist nicht gleich Reifen. Die Konstruktion des Reifens spielt eine große Rolle und prägt den Fahreindruck wie kein anderes Teil am Rad. Ein extremes Beispiel gefällig? Welche geniale Erfindung der Luftreifen ist, erkennt man, wenn man luftlose Plastik­reifen fährt. Unkaputtbar, vielleicht, aber unsicher rumpelnd und gänzlich ungedämpft; man wünscht sich auf der Stelle den Luftreifen zurück. Um die geht es hier. Alle sind viel besser als Plastikreifen, aber in gar nicht so kleinen Details unterscheiden sich auch die Luftreifen. Ihre Form beeinflusst das Lenkverhalten, ihre Nachgiebigkeit prägt den Komforteindruck – und ihr Grip die Fahrsicherheit. Und über die Möglichkeit, den Reifendruck zu variieren, können Sie die Eigenschaften des Reifens in erstaunlichem Umfang an die Strecke und Ihre Vorlieben anpassen.

Stadt, Land, Berg

Wir haben – mit enormem Aufwand auf verschiedenen Prüfständen und in der Praxis – elf Reifen in den Kategorien Reise/Tour, City/Asphalt und E-Bike getestet, ­wobei sich die Eigenschaften der Pneus in den drei ­Kategorien zum Teil deutlich überschneiden.

Die 11 Reifen für Reise, Tour und City im Test

11 Bilder

Die Reisereifen bieten etwas mehr oder offeneres Profil für sicheren Halt abseits der Straße; sie sollten möglichst gut rollen. In die E-Bike-Kategorie sortierten wir schwere, robuste Reifen, die auf Sicherheit und Grip getrimmt sind. Die reinen Asphaltreifen sind weniger profiliert und vereinzelt schmaler.

Die Reifen sind zwischen 38 und 50 Millimeter breit und wiegen zwischen 546 und 1.427 (!) Gramm – ein weites Spektrum. Getestet haben wir alle Reifen auf demselben Kurs, der von Asphalt über Schotter bis zu unbefestigten Waldwegen alle gängigen Untergründe beinhaltet. Auf losem und rutschigem Untergrund gibt es nur zwei Reifen, die sehr deutlich aus dem Testfeld herausragen. Der WTB Venture entwickelt deutlich mehr Kurvengrip als die anderen, während Schwalbes schmal designter Marathon Racer im Gelände nicht ganz mithält. Im Prinzip kann man aber mit allen Reifen auch abseits der Straße fahren. Ein steiler Anstieg auf Schotter war mit allen Pneus machbar.

So testet MYBIKE Rollwiderstand: Prüfaufbau für verschiedene Untergründe

Auch im Fahrgefühl auf Asphalt gibt es markante Unterschiede. Die stark variierenden Gewichte sind deutlich in der Lenkung spürbar und kosten Energie, beispielsweise in der Stadt beim ständigen Beschleunigen. Mit dem E-Bike verliert dieser Punkt naturgemäß an Bedeutung. Wer nur mit Muskelkraft unterwegs ist, sollte eher einen Blick auf Reifengewicht und Leichtlauf werfen. Für E-Biker bieten sich besonders ­pannensichere Reifen an, die auch Bordsteinrumpler wegstecken, denn die motorisierten Bikes sind schwerer und nicht so leicht über Hindernisse zu lupfen. S-Pedelec-Fahrer müssen sich zudem an die für ihr Rad zugelassenen Reifen halten. Für normale Pedelecs ist die Auswahl ähnlich groß wie für unmotorisierte Fahrräder.

Im Kurvenverhalten offenbaren die Reifen ebenfalls spürbare Unterschiede. Der Goodyear ist besonders rassig abgestimmt; der Transit Tour kippt sehr dynamisch in Kurven ab, fährt sich dadurch ausgesprochen sportlich und dank seines großen Volumens dennoch vertrauenerweckend. Auch die Schwalbe-Reifen lenken spritzig ein. Conti legt seine Reifen vergleichsweise neutral aus, ähnlich wie die anderen Hersteller im Test.

Pannen? Fast unmöglich

Um ihre Reifen pannensicher zu machen, verfolgen die Hersteller im Wesentlichen zwei Strategien. Manche Reifen haben eine extradicke Gummischicht unter der Lauffläche, um Dornen oder spitze Steine abzuwehren. Andere Modelle tragen schnittsichere Spezialgewebe unter der Lauffläche, so zum Beispiel Contis Top Contact II. Das bringt Sicherheit, ohne auf die Waage zu drücken. Zwei Reifen im Testfeld kann man auch ohne Schlauch fahren, was den Pannenschutz ebenfalls verbessert: Goodyear hat eine luftdichte Karkasse, WTB ist „tubeless-ready“, kann also ohne Schlauch (dafür mit Dichtflüssigkeit) gefahren werden. Beim WTB ist tubeless sogar dringend geraten, da der Pannenschutz sonst sehr schwach ist.

So testet MYBIKE Schnittfestigkeit: Die Reifen werden mit einem Dorn durchstoßen

Wie gut die Reifen die sich widersprechenden Eigenschaften Leichtlauf und Pannenschutz vereinen, haben wir im Labor getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Unterschiede im Rollwiderstand erheblich sind. Wenn Konstruktion und Gummimischung nicht rollfreudig sind, hilft es auch nicht, die Reifen härter aufzupumpen – eher verschlechtert das den Fahreindruck. Am leichtesten rollt Schwalbes Marathon Racer, was aufgrund der leichten Bauart zu erwarten war. Überraschend ist hingegen, dass ihm sein doppelt so schwerer Markenbruder Marathon GT Tour im Leichtlauf Paroli bietet. Er ist der mit Abstand schnellste Allrounder und damit einen Extra-Tipp wert.

Clever konstruiert

Unser Test zeigt, dass in Reifen viel Technik steckt: Die klug konstruierten Produkte ernten die besten Noten. An der Spitze stehen zweimal Schwalbe und einmal Conti – das spiegelt auch in etwa die Kräfteverhältnisse am Markt wider. Schwalbe dominiert in der Erstausstattung der Räder. Am ehesten haben spezialisierte Exoten wie WTB die Chance, daneben noch Nischen zu besetzen. In den Steckbriefen finden Sie alle Details zu den Reifen und vielleicht Ihren persönlichen Favoriten jenseits unseres Bewertungssystems.

Den kompletten Vergleichstest der elf Fahrradreifen inkl. aller Testurteile und Einzelbewertungen können Sie unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

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Schlagwörter: Reifen Test

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